
Open Source ist das Rückgrat der digitalen Infrastruktur, doch die jüngste Shai-Hulud-Angriff offenbart, wie fragil ihre Lieferkette tatsächlich ist. Das JFrog Security Research Team hat 164 kompromittierte npm-Pakete in 338 Versionen identifiziert, die darauf ausgelegt waren, Zugangsdaten von Entwickler-Rechnern und CI/CD-Umgebungen abzugreifen. Betroffen waren Tokens für AWS, GCP, GitHub und npm, die in von Angreifern kontrollierte GitHub-Repositories exfiltriert wurden.
Der Angriff nahm mit einer manipulierten Version von @ctrl/tinycolor seinen Anfang und breitete sich rasch auf weitere stark genutzte Bibliotheken wie angulartics2, koa2-swagger-ui und react-jsonschema-form-conditionals aus. Varianten des manipulierten Payloads zeigten eine zunehmende Raffinesse: Sie nutzten Tools wie TruffleHog, um nach geheimen Schlüsseln zu suchen, und experimentierten mit unterschiedlichen Exfiltrationsmethoden. Umfang und Geschwindigkeit verdeutlichen, wie sich Kompromittierungen in der Lieferkette binnen weniger Tage durch gesamte Ökosysteme fortpflanzen können.
Shachar Menashe, VP Security Research bei JFrog, warnt eindringlich vor einem trügerischen Vertrauen in populäre Pakete:
„Der npm-Angriff fügt sich in ein wachsendes Muster ein, bei dem Angreifer gezielt Maintainer populärer, aber unzureichend ausgestatteter Open-Source-Projekte attackieren. Der umfangreiche und technisch ausgefeilte xz-Backdoor-Angriff Anfang 2024 etwa gelang, weil XZ Utils personell unterbesetzt war und die Betreuer externe Hilfe anforderten.
Die eigentliche Herausforderung ist die Geschwindigkeit. Sobald ein vertrauenswürdiges Paket kompromittiert ist, kann es sich über CI/CD-Pipelines und in viele Projekte hinein rasch ausbreiten. Ein Zero-Trust-Ansatz ist entscheidend: Keinem Paket darf allein wegen seiner Popularität uneingeschränkt vertraut werden.“
Das JFrog Security Research Team empfiehlt, zur Eindämmung solcher Angriffe die verpflichtende Einführung von Zwei-Faktor-Authentifizierung. Diese wird bereits bei npm und PyPI durchgesetzt, nicht jedoch in anderen Repositorien wie Maven und NuGet. Governance-Rahmenwerke wie ISO 27001 fördern zwar Disziplin, reichen aber nicht aus, um das Risiko aus Open-Source-Nutzung zuverlässig zu adressieren, da die Durchsetzung uneinheitlich ist und Sicherheitskontrollen mitunter mangelhaft implementiert werden.
Menashe fügte hinzu: „Wirksam ist, Pakete vor ihrem Einzug in eine Organisation zu kuratieren, sie anhand klar definierter Regeln zu prüfen und sowohl direkte als auch transitive Abhängigkeiten im jeweiligen Kontext zu analysieren. Verzögerte Updates helfen ebenfalls: Unsere Forschung zeigt, dass das Warten von mindestens 14 Tagen vor dem Einsatz neuer Paketversionen einen starken Schutz bietet, denn kompromittierte Pakete werden in diesem Zeitraum fast immer entdeckt und entfernt. Solche Angriffe werden weiter stattfinden, doch die richtige Kombination aus Kuratierung, Zero-Trust und Shift-Left-Praktiken kann ihre Auswirkungen deutlich begrenzen.“
Das Gesamtbild
Der Shai-Hulud-Angriff ist kein Einzelfall, sondern Teil eines breiteren Trends. Angreifer nutzen zunehmend die Lücke zwischen der zentralen Bedeutung von Open-Source-Projekten und den begrenzten Ressourcen ihrer Maintainer aus.
Für Organisationen ergibt sich daraus eine eindeutige Lehre: Transparenz, klare Governance und bewusstes Zögern sind unverzichtbare Säulen einer wirksamen Verteidigung der Software-Lieferkette. Open Source bleibt zwar ein entscheidender Motor digitaler Innovation, doch blindes Vertrauen ist nicht mehr tragfähig. Resilienz entsteht nicht durch Popularität, sondern durch vorausschauende Prüfung, kontrollierte Einführung und eine Zero-Trust-Strategie.
Den vollständigen Bericht des JFrog Security Research Teams können Sie hier nachlesen: https://jfrog.com/blog/shai-hulud-npm-supply-chain-attack-new-compromised-packages-detected/
Mehr zum Schmökern
Bild/Quelle: https://depositphotos.com/de/home.html
Fachartikel

Remote-Codeausführung in Cisco Unified Communications: Kritische Schwachstelle erfordert sofortiges Handeln

SMS-Links gefährden Nutzerdaten: Großangelegte Untersuchung deckt Schwachstellen auf

Januar-Patch sorgt für Outlook-Blockaden bei Cloud-Speichern

PNB MetLife: Betrüger missbrauchen Versicherungsmarke für UPI-Zahlungsbetrug

Wenn Angreifer selbst zum Ziel werden: Wie Forscher eine Infostealer-Infrastruktur kompromittierten
Studien

Deutsche Unicorn-Gründer bevorzugen zunehmend den Standort Deutschland

IT-Modernisierung entscheidet über KI-Erfolg und Cybersicherheit

Neue ISACA-Studie: Datenschutzbudgets werden trotz steigender Risiken voraussichtlich schrumpfen

Cybersecurity-Jahresrückblick: Wie KI-Agenten und OAuth-Lücken die Bedrohungslandschaft 2025 veränderten
![Featured image for “Phishing-Studie deckt auf: [EXTERN]-Markierung schützt Klinikpersonal kaum”](https://www.all-about-security.de/wp-content/uploads/2025/12/phishing-4.jpg)
Phishing-Studie deckt auf: [EXTERN]-Markierung schützt Klinikpersonal kaum
Whitepaper

ETSI veröffentlicht weltweit führenden Standard für die Sicherung von KI

Allianz Risk Barometer 2026: Cyberrisiken führen das Ranking an, KI rückt auf Platz zwei vor

Cybersecurity-Jahresrückblick: Wie KI-Agenten und OAuth-Lücken die Bedrohungslandschaft 2025 veränderten

NIS2-Richtlinie im Gesundheitswesen: Praxisleitfaden für die Geschäftsführung

Datenschutzkonformer KI-Einsatz in Bundesbehörden: Neue Handreichung gibt Orientierung
Hamsterrad-Rebell

Cyberversicherung ohne Datenbasis? Warum CIOs und CISOs jetzt auf quantifizierbare Risikomodelle setzen müssen

Identity Security Posture Management (ISPM): Rettung oder Hype?

Platform Security: Warum ERP-Systeme besondere Sicherheitsmaßnahmen erfordern

Daten in eigener Hand: Europas Souveränität im Fokus







