
Die Gesellschaft für Informatik e.V. (GI) sieht in der geplanten EU-Verordnung zur Verhinderung von Kindesmissbrauch einen massiven Eingriff in die sichere und vertrauliche Onlinekommunikation.
Die Gesellschaft für Informatik e.V. (GI) lehnt die gestern von der Europäischen Kommission veröffentlichte 135-seitigen Initiative einer Verordnung „rules to prevent and combat child sexual abuse“ entschieden ab. Das vollständig unterstützenswerte Ziel der EU-Kommission, den Missbrauch von Kindern im Internet und in sozialen Medien zu verhindern und zu bekämpfen, wird dies durch den vorgelegten Entwurf nicht erreicht. Im Gegenteil: Der Vorschlag bedeutet einen massiven Eingriff in die geschützte Online-Kommunikation von Kindern und ist ein Einfallstor für eine umfassende, anlasslose Massenüberwachung des Internets.
So ermächtigt Erwägungsgrund 26 Behörden dazu, Hoster und Telekommunikationsdienstleister per Anordnung dazu zu zwingen, vertraulicher Kommunikation in E-Mails oder in Messenger-Chats grundrechtswidrig an Behörden weiterzugeben. Gleichzeitig wird von den Dienstleistern gefordert, dass sie Ende-zu-Ende-Verschlüsselung zum Schutz der Kommunikation insbesondere auch der Kinder einsetzen sollen. Damit im Einklang hatte die GI bereits im März erneut ein europäisches Recht auf Verschlüsselung gefordert.
Prof. Dr. Hannes Federrath, Past Präsident der GI: „Dieser Zielkonflikt bedeutet die Quadratur des Kreises. Geschützte Kommunikation und das Durchsuchen von Chat-Inhalten lassen sich technisch nicht vereinbaren. Denn nur eine wirkungsvolle Ende-zu-Ende-Verschlüsselung schützt die Vertraulichkeit der Kommunikation effektiv. Dass diese von Dritten nicht mitgelesen werden kann, ist gerade Sinn und Zweck einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung.“
Der vorgelegte Entwurf ist aus Sicht der GI mit dem in den europäischen Rechtsgrundsätzen verankerten Willkürverbot und Bestimmtheitsgebot unvereinbar. Er bedeutet unvermeidbar die Überwachung jeder Kommunikation von Unternehmen (auch unternehmensintern), Behörden und Bürgern. Wir empfehlen daher der Kommission nachdrücklich, den Entwurf aufgrund des unverhältnismäßigen Grundrechtseingriffs und entscheidender fachlicher Mängel zeitnah zurückziehen. Der europäische digitale Binnenmarkt, die europäische Zivilgesellschaft und die öffentliche Verwaltung brauchen vertrauensvolle digitale Kommunikation und ein Anrecht auf wirkungsvolle Verschlüsselung.
Über die Gesellschaft für Informatik e.V.
Die Gesellschaft für Informatik e.V. (GI) ist die größte Fachgesellschaft für Informatik im deutschsprachigen Raum. Seit 1969 vertritt sie die Interessen der Informatikerinnen und Informatiker in Wissenschaft, Gesellschaft und Politik und setzt sich für eine gemeinwohlorientierte Digitalisierung ein. Mit 14 Fachbereichen, über 30 aktiven Regionalgruppen und unzähligen Fachgruppen ist die GI Plattform und Sprachrohr für alle Disziplinen in der Informatik. Weitere Informationen finden Sie unter www.gi.de
Fachartikel

Wenn Angreifer selbst zum Ziel werden: Wie Forscher eine Infostealer-Infrastruktur kompromittierten

Mehr Gesetze, mehr Druck: Was bei NIS2, CRA, DORA & Co. am Ende zählt

WinDbg-UI blockiert beim Kopieren: Ursachenforschung führt zu Zwischenablage-Deadlock in virtuellen Umgebungen

RISE with SAP: Wie Sicherheitsmaßnahmen den Return on Investment sichern

Jailbreaking: Die unterschätzte Sicherheitslücke moderner KI-Systeme
Studien

Deutsche Unicorn-Gründer bevorzugen zunehmend den Standort Deutschland

IT-Modernisierung entscheidet über KI-Erfolg und Cybersicherheit

Neue ISACA-Studie: Datenschutzbudgets werden trotz steigender Risiken voraussichtlich schrumpfen

Cybersecurity-Jahresrückblick: Wie KI-Agenten und OAuth-Lücken die Bedrohungslandschaft 2025 veränderten
![Featured image for “Phishing-Studie deckt auf: [EXTERN]-Markierung schützt Klinikpersonal kaum”](https://www.all-about-security.de/wp-content/uploads/2025/12/phishing-4.jpg)
Phishing-Studie deckt auf: [EXTERN]-Markierung schützt Klinikpersonal kaum
Whitepaper

ETSI veröffentlicht weltweit führenden Standard für die Sicherung von KI

Allianz Risk Barometer 2026: Cyberrisiken führen das Ranking an, KI rückt auf Platz zwei vor

Cybersecurity-Jahresrückblick: Wie KI-Agenten und OAuth-Lücken die Bedrohungslandschaft 2025 veränderten

NIS2-Richtlinie im Gesundheitswesen: Praxisleitfaden für die Geschäftsführung

Datenschutzkonformer KI-Einsatz in Bundesbehörden: Neue Handreichung gibt Orientierung
Hamsterrad-Rebell

Cyberversicherung ohne Datenbasis? Warum CIOs und CISOs jetzt auf quantifizierbare Risikomodelle setzen müssen

Identity Security Posture Management (ISPM): Rettung oder Hype?

Platform Security: Warum ERP-Systeme besondere Sicherheitsmaßnahmen erfordern

Daten in eigener Hand: Europas Souveränität im Fokus






