
Das Wachstum von Rechenzentren für Anwendungen künstlicher Intelligenz (KI) außerhalb Europas birgt das Risiko für Carbon Leakage. Das heißt, dass KI-Berechnungen in Regionen mit günstiger, nicht CO₂-neutraler Energie verlagert werden könnten. Eine neue Studie des Umweltbundesamtes (UBA) zeigt, dass die Gefahr von Carbon Leakage beim Wachstum von KI-Rechenzentren im Blick genommen werden sollten.
Das rasante Wachstum von KI-Rechenzentren wirft Fragen zu den Folgen dieser Technologie für das Klima auf. Aus europäischer Perspektive birgt der Boom von energieintensiven KI-Anwendungen unter anderem die Gefahr von Carbon Leakage. Dieses bezeichnet den Effekt, dass Unternehmen aufgrund von CO₂-Bepreisung oder anderer Klimaauflagen – und damit potentiell höheren Strompreisen – ihre Tätigkeiten in Länder mit weniger strengen Klimapolitiken verlagern. Das UBA hat dieses Risiko gemeinsam mit dem Forschungsinstitut Infras und dem Roegen Centre for Sustainability im Kontext des europäischen Emissionshandels untersucht.
Die Studie zeigt, dass der KI-bedingte Energieverbrauch in Rechenzentren bis 2028 auf ungefähr 300 Terrawattstunden ansteigen wird, das entspricht etwa einem Prozent des weltweiten Stromverbrauchs. Ein Großteil dieses Verbrauchs ist grundsätzlich geographisch flexibel. Das heißt, dass diese Berechnungen theoretisch von überall aus ausgeführt werden können. Dadurch gewinnt die Rechenzentrumsbranche einen enormen Spielraum, was die Wahl des Standorts anbelangt.
Europäische KI-Anfragen verursachen Emissionen im Ausland
Die Ergebnisse der Studie zeigen zudem, dass aktuelle KI-Rechenkapazitäten und das prognostizierte Wachstum vorwiegend in den USA und China konzentriert sind – zwei Rechtsräume mit weniger strengen Klimapolitiken als die der EU. Das heißt, ein Teil der europäischen KI-Anfragen wird in anderen Ländern verarbeitet und verursacht dort Emissionen.
Ein Grund für eine geringere Zahl an Rechenzentren in Europa könnte Carbon Leakage sein. Das derzeitige Ausmaß scheint jedoch moderat zu sein. Dies liegt hauptsächlich an der gegenwärtigen Expansion der KI-Branche: Der Fokus liegt eher auf der Erschließung neuer Rechenkapazitäten anstatt auf der Minimierung von Kosten. Vielmehr scheinen historisch gewachsene Clusterstrukturen der IT-Branche sowie eine stabile Energieversorgung und Netzinfrastruktur bei der Standortwahl die größte Rolle zu spielen.
Carbon Leakage könnte in Zukunft zunehmen
Die Anreize für Carbon Leakage könnten sich jedoch in Zukunft ändern – zum Beispiel ist anzunehmen, dass der Kostendruck für die Rechenzentrumsbranche steigt. Weiter könnten zunehmende grenzüberschreitende Datenflüsse importierte Emissionen erhöhen, selbst wenn solche Datenflüsse nicht absichtlich die CO₂-Bepreisung umgehen.
Aus diesem Grund sind der Ausbau erneuerbarer Energien in KI-starken Regionen und die Einhaltung der von KI-Unternehmen angekündigten Klimaziele besonders wichtig. Beides verringert die Abschwächung europäischer Klimaziele durch Carbon Leakage und den Import von Emissionen in die EU.
Links:
- UBA-Themenseite „Digitale Nachhaltigkeit“
- UBA-Themenseite „Grüne Informationstechnik – Green IT“
- Globale Koalition für digitale Nachhaltigkeit (CODES)
- Originalmeldung auf uba.de
Publikationen:
Bild/Quelle: https://depositphotos.com/de/home.html
Fachartikel

Bekannte Sicherheitslücken als größtes Cyber-Risiko: Warum N-Day-Schwachstellen Unternehmen gefährden

KI-gestützte Erkennung von Lookalike-Domains: Wie Infoblox mit LLMs gegen Täuschungsversuche vorgeht

Remote-Codeausführung in Cisco Unified Communications: Kritische Schwachstelle erfordert sofortiges Handeln

SMS-Links gefährden Nutzerdaten: Großangelegte Untersuchung deckt Schwachstellen auf

Januar-Patch sorgt für Outlook-Blockaden bei Cloud-Speichern
Studien

Deutsche Unicorn-Gründer bevorzugen zunehmend den Standort Deutschland

IT-Modernisierung entscheidet über KI-Erfolg und Cybersicherheit

Neue ISACA-Studie: Datenschutzbudgets werden trotz steigender Risiken voraussichtlich schrumpfen

Cybersecurity-Jahresrückblick: Wie KI-Agenten und OAuth-Lücken die Bedrohungslandschaft 2025 veränderten
![Featured image for “Phishing-Studie deckt auf: [EXTERN]-Markierung schützt Klinikpersonal kaum”](https://www.all-about-security.de/wp-content/uploads/2025/12/phishing-4.jpg)
Phishing-Studie deckt auf: [EXTERN]-Markierung schützt Klinikpersonal kaum
Whitepaper

ETSI veröffentlicht weltweit führenden Standard für die Sicherung von KI

Allianz Risk Barometer 2026: Cyberrisiken führen das Ranking an, KI rückt auf Platz zwei vor

Cybersecurity-Jahresrückblick: Wie KI-Agenten und OAuth-Lücken die Bedrohungslandschaft 2025 veränderten

NIS2-Richtlinie im Gesundheitswesen: Praxisleitfaden für die Geschäftsführung

Datenschutzkonformer KI-Einsatz in Bundesbehörden: Neue Handreichung gibt Orientierung
Hamsterrad-Rebell

Cyberversicherung ohne Datenbasis? Warum CIOs und CISOs jetzt auf quantifizierbare Risikomodelle setzen müssen

Identity Security Posture Management (ISPM): Rettung oder Hype?

Platform Security: Warum ERP-Systeme besondere Sicherheitsmaßnahmen erfordern

Daten in eigener Hand: Europas Souveränität im Fokus







