
Vom 10. bis 14. November führte Europol gemeinsam mit dem Amt der Europäischen Union für geistiges Eigentum (EUIPO) und der spanischen Nationalpolizei eine intensive Ermittlungswoche durch. Am EUIPO-Hauptsitz in Alicante setzten 30 Ermittler aus mehr als 15 Ländern fortschrittliche Open-Source-Intelligence-Techniken (OSINT) und spezialisierte Online-Ermittlungstools ein, um Verstöße gegen geistiges Eigentum aufzudecken.
Die Bilanz der Cyber-Patrol-Woche fällt beachtlich aus:
- 69 Websites identifiziert und zur weiteren Verfolgung markiert
- 25 illegale IPTV-Dienste an Krypto-Dienstleister zur Sperrung gemeldet
- 44 weitere Websites werden derzeit untersucht
- Geschätzter Traffic der betroffenen Seiten: rund 11,8 Millionen Besucher jährlich
Krypto-Zahlungen bieten keine Anonymität mehr
Im Mittelpunkt der Operation stand die Bekämpfung eines wachsenden Trends: Kriminelle weichen zunehmend von traditionellen Zahlungssystemen ab und setzen auf Kryptowährungen, in der irrigen Annahme, dadurch anonymer zu agieren. Die Ermittler drehten den Spieß um und nutzten selbst Kryptowährungen, um illegale Dienste zu erwerben und so die Betreiber zu identifizieren.
Dieser innovative Ansatz ermöglichte es, Transaktionen im Wert von rund 55 Millionen US-Dollar – über 47 Millionen Euro – über verschiedene Konten zurückzuverfolgen, die mit den illegalen Diensten in Verbindung stehen. Die identifizierten Informationen wurden an Partner weitergeleitet, darunter große Krypto-Börsen und spezialisierte Analyse-Unternehmen.
Geldfluss unterbrechen statt nur Websites sperren
Der strategische Ansatz der Ermittler zielt darauf ab, die kriminelle Einnahmequelle direkt zu treffen. Durch die Identifizierung und erfolgreiche Schließung von Kryptokonten wird der Geldfluss der Piraterie-Dienste unterbrochen – ein wesentlich effektiverer Ansatz als die bloße Sperrung einzelner Websites, die oft innerhalb kürzester Zeit unter neuen Domains wieder auftauchen.
Diese Vorgehensweise ist von entscheidender Bedeutung für den Schutz der globalen Wirtschaft und der Rechteinhaber. Insbesondere illegale IPTV-Dienste, die professionelle Streaming-Angebote ohne Lizenzierung betreiben, stehen im Fokus der Ermittlungen.
Grenzüberschreitende Zusammenarbeit als Schlüssel zum Erfolg
Die multidisziplinäre Durchsetzungsmaßnahme verfolgte mehrere Ziele: die Kartierung aktiver Bedrohungen, die Entwicklung umsetzbarer Informationspakete und den Austausch bewährter Verfahren zwischen den teilnehmenden Behörden und privaten Partnern.
Die Initiative demonstriert das Engagement der Europäischen Union für eine integrierte, grenzüberschreitende Strategie gegen Cyberkriminalität. Internationale Zusammenarbeit und technologische Innovation bilden dabei die tragenden Säulen. Die verstärkte Kooperation mit dem privaten Sektor – insbesondere mit Krypto-Börsen und Blockchain-Analyseunternehmen – verbessert die Fähigkeit der Strafverfolgungsbehörden erheblich, neue Bedrohungen frühzeitig zu erkennen und effektiv zu neutralisieren.
Ausblick: Plattform für kontinuierliche Zusammenarbeit
Veranstaltungen wie die Cyber-Patrol-Woche etablieren sich als wichtige Plattform für EU-Behörden, die gegen Verbrechen im Bereich des geistigen Eigentums vorgehen. Der regelmäßige Austausch stärkt die operative Kooperation und ermöglicht es, Verbrechen gegen geistiges Eigentum in der globalen digitalen Landschaft besser zu antizipieren und zu bekämpfen.
Die Ermittlungen zu den identifizierten Diensten werden von öffentlichen und privaten Stellen fortgeführt. Weitere Aktionen sind zu erwarten, da die entwickelten Methoden und gewonnenen Erkenntnisse in künftige Operationen einfließen werden.
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