
Eine Recherche von InterSecLab zeigt, wie ein chinesisches Unternehmen Überwachungstechnologien an autokratische Regime liefert – und damit digitale Repression weltweit vorantreibt.
Die chinesische Regierung hat in den vergangenen 20 Jahren ein einzigartiges Modell der Internetkontrolle aufgebaut. Die Kombination aus massiver Überwachung und systematischer Zensur, bekannt als „Great Firewall“, dient nicht nur der Kontrolle im eigenen Land. Unter dem Schlagwort „digitale Souveränität“ wird dieses Modell auch anderen Staaten als Blaupause angeboten – und zunehmend als technische Infrastruktur exportiert.
Im Zentrum steht das Unternehmen Geedge Networks, das enge Verbindungen zum Forschungszentrum „Massive and Effective Stream Analysis“ (Mesalab) an der Chinesischen Akademie der Wissenschaften unterhält. InterSecLab konnte anhand von mehr als 100.000 internen Dokumenten nachzeichnen, wie Geedge ein Portfolio an Produkten entwickelt hat, das Regierungen umfassende Eingriffe in den Datenverkehr ermöglicht: von Deep Packet Inspection über Echtzeitüberwachung von Mobilfunknutzern bis hin zu maßgeschneiderten Zensurregeln für ganze Regionen.
Die Dokumente belegen, dass Geedge Verträge mit Regierungen in Kasachstan, Äthiopien, Pakistan, Myanmar und einem weiteren bislang unbekannten Staat abgeschlossen hat. Zugleich spielt das Unternehmen auch im Inland eine Rolle – etwa beim Ausbau von Überwachungssystemen in Xinjiang.
Die Analyse legt ein Muster offen: Überwachungsfähigkeiten werden zunehmend kommerzialisiert und wie Standardsoftware auf dem Weltmarkt angeboten. So entsteht ein globales Netzwerk autoritärer Internet-Governance, in dem chinesische Firmen nicht nur Technik liefern, sondern auch Wissen aus den Einsätzen sammeln – und damit die Grundlage für noch effizientere Kontrollsysteme schaffen.
Die Enthüllungen werfen drängende Fragen auf: Wer kontrolliert die Datenströme in diesen Ländern? Welche Rolle spielt China bei der Festschreibung digitaler Repression? Und was bedeutet es für die Zukunft eines offenen, freien Internets, wenn nationale Firewalls zur Handelsware werden?
Die vorliegende Analyse ist Teil des Rechercheprojekts „Great Firewall Export“, das InterSecLab gemeinsam mit Amnesty International, Justice For Myanmar, Paper Trail Media, The Globe and Mail, dem Tor Project, DER STANDARD und Follow The Money durchgeführt hat.
Lesen Sie den vollständigen Bericht Der Internet-Coup: Eine technische Analyse darüber, wie ein chinesisches Unternehmen die Great Firewall an autokratische Regime exportiert.
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