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Block entlässt die Hälfte seiner Belegschaft – Dorsey sieht KI als Treiber eines branchenweiten Wandels

27. Februar 2026

Jack Dorsey, Mitgründer und Chef des Zahlungsdienstleisters Block, hat einen der weitreichendsten Stellenabbaue in der Geschichte des Unternehmens angekündigt. Mehr als 4.000 der weltweit rund 10.000 Beschäftigten werden das Unternehmen verlassen müssen – die Belegschaft schrumpft damit auf knapp 6.000 Mitarbeitende. Das Unternehmen betreibt unter anderem die Dienste Square, Cash App und Tidal. Die Finanzmärkte quittierten die Nachricht mit deutlichem Kursanstieg: Die Block-Aktie legte im nachbörslichen Handel um mehr als 24 Prozent zu.

Kein Krisenzeichen, sondern strategische Neuausrichtung

Bemerkenswert an Dorseys Kommunikation ist die Rahmung des Schritts: Er stellte die Entlassungen ausdrücklich nicht als Reaktion auf wirtschaftliche Probleme dar. Das Geschäft laufe gut, der Bruttogewinn wachse weiterhin, die Rentabilität verbessere sich, und Block bediene zunehmend mehr Kunden. Der eigentliche Auslöser sei ein struktureller Wandel in der Art, wie Unternehmen arbeiten – getrieben durch den rapide zunehmenden Einsatz von Künstlicher Intelligenz.

Dorsey schreibt, er habe zwei Optionen gehabt: den Personalabbau über Monate oder Jahre hinweg schrittweise zu vollziehen, während sich der Wandel vollzieht – oder offen zu benennen, wo das Unternehmen steht, und jetzt zu handeln. Er entschied sich für den zweiten Weg. Wiederholte Entlassungsrunden seien destruktiv für Moral, Fokus und das Vertrauen von Kunden und Investoren in die Führungsfähigkeit des Unternehmens. Ein klarer, einmaliger Schnitt sei einem langsamen Abbau vorzuziehen.

Zugleich prognostizierte er, dass die meisten Unternehmen innerhalb eines Jahres an denselben Punkt gelangen werden. „Ich ziehe es vor, ehrlich und zu unseren eigenen Bedingungen dorthin zu gelangen, als reaktiv dazu gezwungen zu werden“, schrieb er auf X.

KI ermöglicht kleinere, effizientere Teams

Block-Finanzvorständin Amrita Ahuja konkretisierte die strategische Stoßrichtung: Die Maßnahmen sollen das Unternehmen in die Lage versetzen, mit kleineren, hoch qualifizierten Teams zu arbeiten, die KI zur Automatisierung von Aufgaben einsetzen und dadurch schneller vorankommen. Dorsey selbst beschreibt, dass die bereits eingesetzten KI-Werkzeuge in Verbindung mit flacheren Strukturen eine neue Arbeitsweise ermöglichten, die die Gründung und Führung eines Unternehmens grundlegend verändere – und sich weiter beschleunige.

Für die verbleibenden Mitarbeitenden kündigte Dorsey an, Block künftig mit KI als Kernstück aller Aktivitäten aufzubauen – von internen Arbeitsprozessen über kreative Tätigkeiten bis hin zur Kundenbetreuung. Auch die Kunden von Block sollen diesen Wandel spüren und dabei unterstützt werden, eigene Funktionen direkt auf Basis der Block-Infrastruktur aufzubauen.

Abfindungen und bewusst menschliche Kommunikation

Betroffene Mitarbeitende erhalten laut Dorsey ein Abfindungspaket, das 20 Wochen Grundgehalt sowie eine zusätzliche Woche pro Beschäftigungsjahr umfasst. Hinzu kommen bereits erdiente Aktienanteile, die bis Ende Mai unverfallbar werden, eine Krankenversicherung für sechs Monate, die Firmengeräte sowie 5.000 US-Dollar für den beruflichen Übergang. Für Beschäftigte außerhalb der USA gelten vergleichbare Regelungen, angepasst an die jeweiligen lokalen Vorschriften.

Dorsey betonte zudem, dass alle Mitarbeitenden am selben Tag benachrichtigt werden – unabhängig davon, ob sie das Unternehmen verlassen, in eine Beratungsrolle wechseln oder bleiben. Die internen Kommunikationskanäle sollten bis zum Abend des Ankündigungstages offenbleiben, damit sich Kolleginnen und Kollegen angemessen verabschieden können. Eine öffentliche Live-Videositzung war ebenfalls geplant. „Mir ist es lieber, wenn es seltsam und menschlich wirkt als effizient und kalt“, schrieb Dorsey – ein Satz, der die bewusste Inszenierung der Kommunikation rund um diese Entscheidung deutlich macht.

An die scheidenden Mitarbeitenden richtete er persönliche Worte: Die Entscheidung spiegele nicht ihre Leistungen wider. Sie hätten das Unternehmen zu dem gemacht, was es heute sei.

Branchentrend: KI als Begründung für Stellenabbau

Block ist mit diesem Vorgehen kein Einzelfall. Salesforce, Amazon und eine wachsende Zahl weiterer Unternehmen haben in jüngster Zeit erhebliche Stellenstreichungen angekündigt und diese mit KI-bedingten Produktivitätsgewinnen begründet. Das Muster wird von Analysten jedoch zunehmend hinterfragt.

Ein Bericht von Forrester Research vom Januar 2026 kommt zu dem Schluss, dass ein erheblicher Teil der als KI-bedingt deklarierten Entlassungen in Wirklichkeit finanziell motiviert ist. Viele der betroffenen Unternehmen verfügten schlicht nicht über ausgereifte, geprüfte KI-Anwendungen, die die gestrichenen Aufgaben tatsächlich übernehmen könnten. Forrester bezeichnet dieses Phänomen als „AI Washing“ – die Zuordnung finanziell begründeter Personalmaßnahmen zur zukünftigen KI-Einführung, um sie positiver zu rahmen.

Forrester: Moderate Auswirkungen, aber realer Anpassungsdruck

In seiner Prognose für den Zeitraum 2025 bis 2030 zeichnet Forrester ein differenziertes Bild.

KI und Automatisierung könnten bis 2030 für rund 6 Prozent aller Arbeitsplatzverluste in den USA verantwortlich sein – das entspräche etwa 10,4 Millionen Stellen.

Ein flächendeckender Ersatz menschlicher Arbeit durch KI sei jedoch unwahrscheinlich, da dafür Produktivitätssteigerungen in einem Ausmaß notwendig wären, das bislang nicht belegt ist.

Stattdessen geht Forrester davon aus, dass KI in den kommenden fünf Jahren rund 20 Prozent der Arbeitsplätze verändern und ergänzen wird – nicht ersetzen. Für Unternehmen bedeutet das laut den Analysten vor allem eines: Sie müssen in die Weiterbildung ihrer Mitarbeitenden investieren, statt auf schnellen Personalabbau zu setzen.

Zugleich warnt der Bericht vor den Folgen übereilter Automatisierung: Sie könne zu kostspieligen Rückschlägen, Reputationsschäden und einer Verschlechterung der Mitarbeitererfahrung führen. Mehr als die Hälfte der auf KI zurückgeführten Entlassungen werde stillschweigend wieder rückgängig gemacht, sobald Unternehmen die operativen Herausforderungen eines verfrühten Personalabbaus erkennen.

Forrester-Analyst J. P. Gownder fasst die Empfehlung so zusammen: Unternehmen sollten KI nicht als Ersatz für menschliche Talente betrachten, sondern als Werkzeug, um diese zu stärken. Entscheidend sei dabei, in die KI-Kompetenzen der Belegschaft zu investieren und Governance-Strukturen für den verantwortungsvollen Einsatz der Technologie zu schaffen. Wie Unternehmen heute mit KI umgehen, werde mehr bestimmen als nur ihren künftigen wirtschaftlichen Erfolg.

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Bild/Quelle: https://depositphotos.com/de/home.html

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