
Im Jahr 2025 wirken Menschen zunehmend wie Maschinen – und Maschinen imitieren den Menschen. Künstliche Intelligenz verändert leise, aber grundlegend die Arbeitswelt. Die Grenzen zwischen menschlicher und künstlicher Kreativität verschwimmen.
Wer in dieser Entwicklung nicht zurückfallen will, muss KI nicht nur als Werkzeug zur Effizienzsteigerung betrachten. Für Israel bedeutet das: KI darf nicht allein dazu dienen, Bürokratie abzubauen. Sie muss eingesetzt werden, um zentrale gesellschaftliche Herausforderungen zu lösen – vom Gesundheitswesen über Bildung bis zur öffentlichen Sicherheit.
Darauf weist Nir Yanovsky-Dagan hin, Leiter der Abteilung für Innovation, Daten und künstliche Intelligenz bei der israelischen National Digital Agency.
Zwei Geschichten verdeutlichen die seltsame Situation auf dem Arbeitsmarkt im Jahr 2025.
Auf der einen Seite werden Menschen aufgefordert, sich wie Maschinen zu verhalten. Auf der anderen Seite werden Maschinen so konstruiert, dass sie als Menschen durchgehen.
Die erste Geschichte handelt von Build.AI, einem Start-up, das ein KI-Tool entwickelt hat, das verspricht, schnell Apps zu generieren. Der Hype war riesig. Aber ebenso groß war die Enttäuschung, als die Wahrheit ans Licht kam.
Hinter der sogenannten KI stand ein Team von Hunderten von menschlichen Programmierern in Indien.
Wenn ein Nutzer eine Anfrage stellte, machten sich diese Entwickler schnell an die Arbeit, und das fertige Produkt wurde als Ergebnis künstlicher Intelligenz präsentiert. Solange die Illusion anhielt, waren Kunden und Investoren zufrieden. Als sich jedoch herausstellte, dass die Intelligenz gar nicht künstlich war, brach das Unternehmen zusammen.
Die zweite Geschichte stammt aus einer McKinsey-Umfrage und zeigt die umgekehrte Situation. In der Tech-Branche wird von den Mitarbeitern erwartet, dass sie sich wie Roboter verhalten. In anderen Branchen hingegen erledigen Roboter die Arbeit, während Menschen so tun, als wäre es ihre eigene. Die Umfrage ergab, dass Mitarbeiter KI-Tools viel häufiger nutzen, als ihren Vorgesetzten bewusst ist. Eine Führungskraft könnte beispielsweise denken, dass ihr Team eine Präsentation erstellt hat, obwohl diese in Wirklichkeit von einer KI vorbereitet wurde. Von den Mitarbeitern wird erwartet, dass sie die Spuren verwischen.
Wie man so schön sagt: KI ist wie Botox. Wenn man sie sieht, macht man etwas falsch.
Wenn ich ein Roboter wäre, der zum ersten Mal auf den Arbeitsmarkt kommt, wäre ich verwirrt. Die Menschen sind bereit, mir die Anerkennung für Arbeit zu geben, die ich nicht geleistet habe, und sich die Anerkennung für die Arbeit zu nehmen, die ich tatsächlich geleistet habe. Der Grund dafür liegt möglicherweise darin, welche Arten von Aufgaben Menschen gerne auslagern. Wir haben kein Problem damit, dass Roboter uns beim Programmieren oder in der Buchhaltung übertreffen. Aber wenn es um Kunst, Führungsqualitäten oder Überzeugungskraft geht, wollen wir immer noch glauben, dass diese Fähigkeiten uns vorbehalten sind. Überraschenderweise sind Roboter oft besser in den Dingen, die wir für einzigartig menschlich gehalten haben, und schlechter in den Routineaufgaben, die wir ihnen gerne übertragen würden.
Um mit dieser Kluft umzugehen, betrügen wir. Wir sagen, dass die repetitive Arbeit von Maschinen erledigt wurde, und beanspruchen die kreativen Ergebnisse für uns selbst.
Aber wir können die Wahrheit nicht für immer verbergen. So wie das Geheimnis hinter Build.AI aufgedeckt wurde und zu seinem Untergang führte, wird auch die heimliche Nutzung von KI durch Mitarbeiter aufgedeckt werden. Dies wird den Arbeitsplatz neu gestalten. Wir müssen uns jetzt darauf vorbereiten. KI ist bereits da, und in vielen Fällen sind ihre Ergebnisse besser als das, was Menschen leisten können.
Wir müssen uns von dem alten Bild verabschieden, dass Roboter nur schmutzige, gefährliche oder langweilige Arbeiten verrichten. Wichtige Bereiche wie Gesundheitswesen, Bildung und Sozialwesen sollten nicht als tabu betrachtet werden. Es ist an der Zeit, KI auf verantwortungsvolle, transparente und ethische Weise in diese Bereiche einzuführen. Dazu gehören Bereiche wie die Diagnose von PTBS, die Verwaltung von Fördermitteln und die Unterstützung bei der Suchtbekämpfung.
Wir sollten so schnell wie möglich groß angelegte Pilotprogramme im öffentlichen Dienst starten. Diese Programme sollten über den Abbau von Bürokratie hinausgehen. Sie sollten sich auf die Verbesserung der Dienstleistungen selbst konzentrieren. Unsere sozialen Herausforderungen sind zu ernst, um weiter so vorzugehen wie bisher. Die fortschrittlichsten Technologien sollten eingesetzt werden, um die dringendsten Probleme anzugehen.
Das Wachstum Israels in den letzten Jahrzehnten ist auf seine Identität als „Startup-Nation”, als Zentrum für Kreativität und Innovation, zurückzuführen. Das war zu einer Zeit, als Kreativität und Intelligenz auf Menschen beschränkt waren. Jetzt treten wir in eine neue Ära ein, in der die von uns geschaffenen Werkzeuge ebenfalls kreativ und intelligent werden.
Durch die Integration von KI in öffentliche Dienste können wir diese neue Welle der Kreativität nutzen, um die Herausforderungen unserer Gesellschaft anzugehen. Damit haben wir die Chance, ein neues und vielversprechendes Kapitel in der Geschichte Israels zu schreiben.
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