
Das Nationale Zentrum für Kernforschung (NCBJ) in Polen hat einen gezielten Angriff auf seine IT-Infrastruktur abgewehrt. Sicherheitssysteme und interne Teams reagierten rasch – Forschungsbetrieb und Reaktor blieben zu keiner Zeit unterbrochen. Die zuständigen Ministerien sind eingebunden.
Das Nationale Zentrum für Kernforschung (NCBJ) in Polen hat nach eigenen Angaben einen Versuch abgewehrt, die IT-Infrastruktur des Instituts zu kompromittieren. Das NCBJ ist eine der zentralen wissenschaftlichen Einrichtungen des Landes und betreibt unter anderem den Forschungsreaktor MARIA – den einzigen aktiven Kernreaktor Polens.
Laut offizieller Mitteilung des Instituts griffen automatisierte Sicherheitsmechanismen sowie speziell entwickelte Notfallprotokolle rechtzeitig. Die Systemintegrität blieb vollständig erhalten, ein Eindringen in die Infrastruktur konnte verhindert werden.
Reaktor und Forschungsbetrieb nicht betroffen
Institutsleiter Prof. Jakub Kupecki betonte in seiner Stellungnahme ausdrücklich, dass der Vorfall keine Auswirkungen auf den laufenden Betrieb hatte:
- Alle Sicherheitssysteme funktionierten entsprechend den vorgesehenen Verfahren
- Der Angriffsversuch wurde vollständig zurückgeschlagen
- Produktions-, Betriebs- und Forschungsprozesse liefen ohne Unterbrechung weiter
- Der Kernreaktor MARIA arbeitet mit voller Leistung und ohne technische Störungen
- Die Infrastruktur wurde unmittelbar nach dem Vorfall zusätzlich gesichert
Der Reaktor MARIA wird unter anderem für die Produktion radioaktiver Isotope für medizinische und industrielle Zwecke sowie für materialwissenschaftliche Forschung genutzt. Ein Ausfall wäre nicht nur für das Institut, sondern auch für die polnische Nuklearmedizin spürbar gewesen.
Koordinierte Reaktion mit staatlichen Behörden
Das NCBJ betonte, in engem und kontinuierlichem Austausch mit den zuständigen staatlichen Stellen zu stehen. An der Koordinierung des Vorfalls sind demnach mehrere Institutionen beteiligt:
- NASK-PIB – das staatliche Institut für Netzwerk- und Informationssicherheit, zuständig für die Abwehr von Cyberbedrohungen gegenüber öffentlichen Einrichtungen
- Ministerium für Digitalisierung unter Vizeministerpräsident Krzysztof Gawkowski
- Energieministerium unter Minister Miłosz Motyka
Die laufende Überwachung der Lage liegt den Angaben zufolge weiterhin in den Händen der zuständigen Behörden und Sicherheitsteams. Das NCBJ erklärte, auf Bedrohungen der digitalen Sicherheit und der staatlichen Infrastruktur jederzeit vorbereitet und handlungsfähig zu sein.
Hintergrund: Kernforschungszentren im Fokus
Angriffe auf Einrichtungen mit nuklearem Bezug sind international keine Seltenheit mehr. Forschungszentren, Energieversorger und staatliche Behörden mit Zugang zu sensiblen Infrastrukturen stehen zunehmend im Fokus von Akteuren, die auf Datenzugang, Sabotage oder Destabilisierung abzielen. Über die Herkunft oder Motivation der Angreifer im vorliegenden Fall machte das NCBJ keine Angaben. Die Ermittlungen laufen.
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