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Open Source ist kritische Infrastruktur – aber wer bezahlt sie?

27. Juli 2025

Ein Plädoyer von Felix Reda für einen europäischen Souveränen Technologiefonds + Am 23. Juli 2025 veröffentlichte Felix Reda, Director of Developer Policy bei GitHub und ehemaliger Europaabgeordneter, einen „bemerkenswerten“ Beitrag zur Zukunft digitaler Infrastruktur in Europa. Die Kernbotschaft: Open-Source-Software (OSS) ist längst unverzichtbar – und dramatisch unterfinanziert*.

Reda fordert einen europäischen Souveränen Technologiefonds (EU-STF), der gezielt in die Wartung und Weiterentwicklung von quelloffener Software investiert. Denn während Bibliotheken, Programmiersprachen und Entwicklungswerkzeuge aus dem Open-Source-Kosmos nahezu jede digitale Anwendung ermöglichen – von der öffentlichen Verwaltung bis zur Privatwirtschaft –, wird ihre Pflege oft ehrenamtlich gestemmt.

Milliardenwert – aber kaum Unterstützung

Eine neue Machbarkeitsstudie von GitHub, erstellt in Zusammenarbeit mit OpenForum Europe, dem Fraunhofer ISI und dem European University Institute, verdeutlicht die Problematik: Der ökonomische Nutzen von Open-Source-Software wird global auf 8,8 Billionen US-Dollar geschätzt. Allein in der EU trägt OSS jährlich zwischen 65 und 95 Milliarden Euro zum Bruttoinlandsprodukt bei. Doch rund ein Drittel der Maintainer – also der Entwickler:innen, die den Code pflegen – arbeitet unbezahlt. Weitere 30 Prozent verdienen zwar etwas, können davon aber nicht leben. In vielen Fällen liegt die Verantwortung für zentrale Softwarekomponenten bei nur einer oder zwei Personen.

„Die öffentliche Hand würde nie zulassen, dass Autobahnen von unbezahlten Ehrenamtlichen in ihrer Freizeit instand gehalten werden“, so Reda sinngemäß – doch bei Software, die genauso systemrelevant sei, werde genau das praktiziert*.

*AllAboutSecurity: Wirklich rührend – wenn man auf Zynismus steht. Nahezu herzerweichend! Fast hätten wir die winzige Geige rausgeholt. 

Sicherheitslücken als Warnsignal

Spätestens seit schwerwiegenden Vorfällen wie der Log4Shell-Lücke oder der xz-Backdoor ist klar: Fehlende Ressourcen in der OSS-Wartung können verheerende Folgen haben – nicht nur für einzelne Anwendungen, sondern für die gesamte digitale Infrastruktur. GitHub versucht bereits gegenzusteuern, etwa mit dem Programm „GitHub Sponsors“, dem Secure Open Source Fund oder kostenlosen Sicherheitstools für Maintainer. Doch Reda betont: Die Plattform allein kann das strukturelle Finanzierungsproblem nicht lösen.

Aufruf an Politik und Industrie

Der Vorschlag: Ein europäischer Technologiefonds nach dem Vorbild der deutschen Agentur für Sprunginnovationen (Sovereign Tech Fund), der OSS-Projekte nicht nur fördert, sondern gezielt die Wartung absichert. Die jetzt veröffentlichte Studie liefert konkrete Empfehlungen für eine Ausweitung auf EU-Ebene.

„Industrie, nationale Regierungen und die Europäische Union müssen gemeinsam Verantwortung übernehmen“, so Redas Fazit. Andernfalls droht Europas digitale Souveränität auf wackeligen Beinen zu stehen – gestützt von überarbeiteten Maintainern, die oft unbeachtet im Schatten der digitalen Wertschöpfung arbeiten.

Unser Kommentar zu dramatisch unterfinanziert*

Vielleicht erst selbst in die Tasche greifen, Microsoft?
Bevor der Software-Gigant erneut den Klingelbeutel herumreicht, wäre ein Blick in die prall gefüllte eigene Kasse angebracht. Im Geschäftsjahr 2024 fuhr Microsoft satte 72,3 Milliarden Dollar Nettogewinn ein – rund 65 Milliarden Pfund.

Trotz dieser beeindruckenden Summe zeigt der Konzern eine bemerkenswerte Vorliebe dafür, bei neuen Projekten lieber auf das Portemonnaie anderer zurückzugreifen, statt selbst in Vorleistung zu gehen.


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