
TypeScript an der Spitze, Shell-Skripte im Aufwind, Millionen von Repositories mit LLM-Anbindung – die Octoverse-Daten 2025 liefern ein klares Bild: Entwickler wählen Technologien zunehmend danach aus, wie gut sie mit KI-Tools harmonieren. Ein Muster, das Konsequenzen für das gesamte Software-Ökosystem hat.
Wer regelmäßig mit KI-gestützten Entwicklungsumgebungen arbeitet, kennt das Phänomen: Bestimmte Sprachen und Frameworks fühlen sich im Zusammenspiel mit KI-Assistenten schlicht reibungsloser an. Was zunächst wie eine subjektive Wahrnehmung wirkt, lässt sich inzwischen mit belastbaren Zahlen untermauern.
Der jährlich erscheinende Octoverse-Bericht von GitHub für 2025 dokumentiert eine bemerkenswerte Verschiebung in der Sprachnutzung auf der Plattform. Im August 2025 überholte TypeScript erstmals sowohl JavaScript als auch Python und belegt seitdem Platz eins der meistgenutzten Sprachen. Im Jahresvergleich wuchs die Nutzung um 66 Prozent – ein Wert, der sich nicht allein durch klassische Adoptionskurven erklären lässt. JavaScript legte im gleichen Zeitraum um 24 Prozent zu. Noch auffälliger ist der Zuwachs bei Shell-Skripten in KI-generierten Projekten: plus 206 Prozent.
Grafik Quelle: GitHub
Warum stark typisierte Sprachen im KI-Kontext punkten
Der Zusammenhang zwischen KI-Nutzung und Sprachpräferenz hat eine technische Grundlage. Stark typisierte Sprachen wie TypeScript liefern dem Sprachmodell eindeutigere Rahmenbedingungen. Während in JavaScript einer Variable nahezu beliebige Werte zugewiesen werden können, schränkt eine TypeScript-Deklaration den möglichen Wertebereich klar ein. Diese Einschränkung erleichtert es dem Modell, kontextkorrekten und konsistenten Code zu generieren – was Entwickler unmittelbar wahrnehmen und honorieren.
Diesen Effekt spiegeln auch die Nutzungsdaten zur KI-Integration wider: Mehr als 1,1 Millionen öffentliche Repositories auf GitHub binden inzwischen LLM-SDKs ein. KI ist damit in der alltäglichen Entwicklungsarbeit angekommen – konzentriert auf jene Sprachen und Frameworks, die im Zusammenspiel mit Sprachmodellen zuverlässig funktionieren.
Komfort als stiller Entscheidungsfaktor
Hinter dieser Entwicklung steht ein verhaltenspsychologisches Muster: Wenn ein Werkzeug oder ein Prozess wiederholt reibungslos verläuft, wird dieser Zustand zur impliziten Referenz. Geringere Reibung wird zur Präferenz – und Präferenzen auf breiter Ebene verschieben ganze Ökosysteme. Laut Octoverse-Daten nutzen 80 Prozent der neu auf GitHub registrierten Entwickler GitHub Copilot bereits in ihrer ersten Woche. Diese frühen Erfahrungen prägen, was als Standard für eine komfortable Arbeitsumgebung gilt.
Dass Shell-Skripte plötzlich deutlich häufiger in KI-generierten Projekten auftauchen, illustriert diesen Mechanismus besonders deutlich: Nicht eine neu entdeckte Begeisterung für Bash treibt den Anstieg, sondern die Tatsache, dass KI-Assistenten den Aufwand, der mit Shell-Scripting verbunden war, weitgehend absorbieren. Das Werkzeug wird gewählt, weil es für die Aufgabe geeignet ist – nicht trotz seiner früheren Einstiegshürden.
Empfehlungen für Teams und Führungskräfte
Für Entwicklungsteams legen Beobachter nahe, Architekturmuster festzulegen, bevor KI-Tools zur Codegenerierung eingesetzt werden. Sprachmodelle sind darin stark, bekannte Muster fortzuführen – weniger darin, sie neu zu erfinden. Schwache Grundstrukturen werden durch KI nicht korrigiert, sondern reproduziert und skaliert. Typsysteme sollten dabei als strukturgebendes Element verstanden werden, nicht als Qualitätsbeweis: Eine bestandene Typprüfung ist keine Garantie für korrekte Geschäftslogik.
Für Führungskräfte in der Softwareentwicklung ergibt sich daraus die Notwendigkeit, den gestiegenen Entwicklungsdurchsatz – der durch KI-Unterstützung erfahrungsgemäß bei 20 bis 30 Prozent liegen kann – mit einer ausreichenden Kapazität für Architekturüberprüfungen zu flankieren. Wer mehr Code in kürzerer Zeit produziert, riskiert ohne entsprechende Leitlinien eine schnellere Anhäufung struktureller Inkonsistenzen.
GitHub stellt hierfür seit Kurzem ein Copilot-Nutzungsmetriken-Dashboard in der öffentlichen Vorschau für Enterprise-Kunden bereit. Es ermöglicht unter anderem, Akzeptanzraten, Sprachverteilungen und Modellnutzung innerhalb eines Unternehmens zu verfolgen – und damit nicht nur zu messen, wie viel KI genutzt wird, sondern wie effektiv.
Bewusste Technologiewahl als Aufgabe
Die Octoverse-Daten legen nahe, dass Technologieentscheidungen zunehmend durch implizite Faktoren beeinflusst werden: durch das Erleben von Komfort und Fluss beim Arbeiten mit bestimmten Stacks, durch die Qualität der KI-Vorschläge und durch die wahrgenommene Reibung bei Alternativen. Wer diese Einflüsse nicht aktiv reflektiert, trifft Entscheidungen, die durch Gewohnheit und Werkzeuglogik geprägt sind – nicht notwendigerweise durch strategische Überlegung.
KI-Kompatibilität ist damit kein optionales Kriterium mehr bei der Auswahl von Sprachen oder Frameworks. Sie wird zu einem der maßgeblichen Faktoren, der bestimmt, welche Technologien in den nächsten Jahren an Verbreitung gewinnen – und welche zurückfallen.
Verwandte Beiträge:
Fachartikel

KI-Agenten ohne Gedächtnis: Warum persistenter Speicher der Schlüssel zur Praxistauglichkeit ist

Oracle erweitert OCI-Netzwerksicherheit: Zero Trust Packet Routing jetzt mit Cross-VCN-Unterstützung

KI-Agenten in der Praxis: Anthropic misst Autonomie und Nutzerverhalten im großen Maßstab

Google Play 2025: KI-Systeme blockieren Millionen schädlicher Apps

Details zur Sicherheitslücke im Windows-Editor bekannt geworden
Studien

IT-Budgets 2026: Deutsche Unternehmen investieren mehr – und fordern messbaren Gegenwert

KI-Investitionen in Deutschland: Solide Datenbasis, aber fehlende Erfolgsmessung bremst den ROI

Cybersicherheit 2026: Agentic AI auf dem Vormarsch – aber Unternehmen kämpfen mit wachsenden Schutzlücken

IT-Fachkräfte: Warum der deutsche Stellenabbau die Sicherheitslage verschlechtert

Deutsche Wirtschaft unzureichend auf hybride Bedrohungen vorbereitet
Whitepaper

WatchGuard Internet Security Report zeigt über 1.500 Prozent mehr neuartige Malware auf

Armis Labs Report 2026: Früherkennung als Schlüsselfaktor im Finanzsektor angesichts KI-gestützter Bedrohungen

Active Directory schützen: TÜV Rheinland liefert Leitfaden mit konkreten Handlungsempfehlungen

Sicherheitslücken in Passwortmanagern: ETH-Forschende hebeln Zero-Knowledge-Versprechen aus

MITRE ATLAS analysiert OpenClaw: Neue Exploit-Pfade in KI-Agentensystemen
Hamsterrad-Rebell

Incident Response Retainer – worauf sollte man achten?

KI‑basierte E‑Mail‑Angriffe: Einfach gestartet, kaum zu stoppen

NIS2: „Zum Glück gezwungen“ – mit OKR-basiertem Vorgehen zum nachhaltigen Erfolg

Cyberversicherung ohne Datenbasis? Warum CIOs und CISOs jetzt auf quantifizierbare Risikomodelle setzen müssen









