
Künstliche Intelligenz hat sich als zentraler Antrieb der Digitalisierung in der deutschen Wirtschaft etabliert. Eine repräsentative Bitkom-Befragung unter 604 Unternehmen ab 20 Beschäftigten zeigt: Der KI-Einsatz hat sich binnen eines Jahres mehr als verdoppelt – doch trotz überwiegend positiver Bilanz steht die Hälfte der Unternehmen vor erheblichen Umsetzungsproblemen.
KI-Nutzung wächst rasant
Der Anteil der Unternehmen, die Künstliche Intelligenz aktiv einsetzen, ist von 17 Prozent (Vorjahr) auf nun 41 Prozent gestiegen. Weitere 48 Prozent planen den Einsatz oder befinden sich in der Diskussionsphase. Die wichtigsten Ergebnisse unter den KI-Nutzern:
- 77 % berichten von einer verbesserten Wettbewerbsposition
- 52 % verzeichnen einen messbaren Beitrag zum Unternehmenserfolg
- 66 % beabsichtigen, ihren KI-Einsatz weiter auszubauen
- 45 % konnten interne Prozesse deutlich beschleunigen
- 44 % haben Produkte oder Dienstleistungen verbessert
- 29 % haben mithilfe von KI neue Angebote entwickelt
Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst betont, dass es beim Thema KI nicht allein um die Entwicklung von Sprachmodellen gehe, sondern um den praxisnahen Einsatz in Kernbranchen wie Industrie, Pharmazie und Medizintechnik.
Einschränkend ist festzuhalten: 33 Prozent der KI-Nutzer berichten von höheren Kosten als erwartet. 19 Prozent gaben an, aufgrund von KI Stellen abgebaut zu haben. Die Mehrheit der KI-nutzenden Unternehmen (62 Prozent) ordnet sich selbst eher als Nachzügler ein.
Digitalisierung: Positive Bilanz, aber gespalte Lage
Die Gesamtbewertung der Digitalisierungsbemühungen fällt mehrheitlich positiv aus:
- 77 % sagen, die Digitalisierung habe ihnen eher Vorteile gebracht
- 16 % sprechen sogar von großen Vorteilen
Gleichzeitig zeigt sich eine deutliche Zweiteilung: Rund 51 Prozent der Unternehmen haben Schwierigkeiten, den Digitalisierungsprozess zu bewältigen. Der Anteil jener, die ihre Unternehmensexistenz durch die Digitalisierung gefährdet sehen, hat sich gegenüber dem Vorjahr nahezu verdoppelt – von 7 auf 13 Prozent (2024 waren es noch 4 Prozent).
Zudem geben 65 Prozent an, dass brancheninterne Wettbewerber mit früherem Digitalisierungseinsatz inzwischen einen Vorsprung haben. 20 Prozent sehen ihre Marktstellung durch aufstrebende Start-ups unter Druck.
Zur globalen Einordnung: Nur 10 Prozent der Unternehmen sehen Deutschland bei der Digitalisierung in der weltweiten Spitzengruppe. 63 Prozent ordnen Deutschland im Mittelfeld ein, 16 Prozent unter den Nachzüglern. 78 Prozent werten die aktuelle Wirtschaftskrise auch als Folge einer zögerlichen Digitalisierung.
Datenpotenzial weitgehend ungenutzt
Ein wesentliches Handlungsfeld liegt in der Auswertung vorhandener Unternehmensdaten:
- Nur 32 % nutzen das vorhandene Datenpotenzial bereits
- 5 % schöpfen es nach eigenen Angaben vollständig aus
- 48 % nutzen es bisher wenig, 13 % gar nicht
- Von den Unternehmen, die Daten kaum nutzen, ergreifen 29 % bereits Gegenmaßnahmen; weitere 43 % planen oder diskutieren dies
Wintergerst zufolge sitzen viele Unternehmen auf einem Datenschatz, dessen Potenzial für KI-Anwendungen oder neue Geschäftsfelder noch kaum erschlossen ist.
Digitale Innovationen: Fortschritt, aber langsam
Die Entwicklung digitaler Produkte und Dienstleistungen wird etwas leichter:
- 23 % gelingt die Entwicklung digitaler Angebote leicht (Vorjahr: 16 %)
- 40 % fällt sie schwer (Vorjahr: 51 %)
- 34 % entwickeln weiterhin keine digitalen Produkte oder Dienstleistungen
Bei der Zusammenarbeit mit Start-ups bleibt die Zurückhaltung groß: Zwei Drittel der Unternehmen (67 Prozent) kooperieren gar nicht mit Start-ups. Von jenen, die es tun, arbeiten 14 Prozent gemeinsam an Produkten und Dienstleistungen, 9 Prozent sind finanziell beteiligt, 3 Prozent betreiben eigene Inkubatoren oder Akzeleratoren.
Technologien im Vergleich: KI führt, Blockchain und Metaverse stagnieren
Neben KI werden weitere Technologien beobachtet – allerdings mit teils deutlichen Lücken zwischen wahrgenommener Relevanz und tatsächlicher Nutzung:
Investitionsbereitschaft zieht an
Trotz schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen steigt die Investitionsbereitschaft in Digitalisierung:
- 36 % wollen 2026 mehr investieren als im Vorjahr (2025: 29 %, 2024: 21 %)
- 51 % halten ihr Investitionsniveau konstant
- 13 % planen Kürzungen (2025: 25 %, 2024: 30 %)
Hindernisse: Datenschutz und Fachkräftemangel an der Spitze
Als größte externe Hemmnisse nennen die Unternehmen:
- 77 % Datenschutzanforderungen
- 70 % Fachkräftemangel
- 61 % Anforderungen an die technische Sicherheit
- 43 % fehlende marktfähige Lösungen
- 31 % mangelnder Austausch mit anderen Unternehmen
Intern spielen folgende Faktoren eine Rolle:
- 66 % fehlende Zeit
- 48 % fehlende finanzielle Mittel
- 40 % langwierige Entscheidungsprozesse
- 37 % mangelnde Risikobereitschaft
Weniger relevant sind eine fehlende Digitalisierungsbereitschaft der Belegschaft (21 Prozent) sowie Unsicherheit über den wirtschaftlichen Nutzen (13 Prozent).
Politische Erwartungen hoch
- 80 % der Unternehmen sehen ohne stärkere Digitalisierung einen wirtschaftlichen Abstieg Deutschlands
- 84 % fordern, dass Digitalisierung ein zentrales Thema der Bundesregierung sein muss
Wintergerst begrüßt die Einrichtung eines eigenständigen Digitalministeriums und verweist auf laufende Vorhaben wie die Verwaltungsmodernisierung (Deutschland-Stack) und die geplante Einführung digitaler Identitäten (EUDI-Wallet, 2027). Er mahnt jedoch, dass nun spürbare Ergebnisse für Unternehmen und Bürger folgen müssten.
Alle Informationen zur TRANSFORM gibt es online unter transform.show.
Grundlage: Repräsentative Befragung von 604 Unternehmen ab 20 Beschäftigten in Deutschland, durchgeführt im Auftrag des Digitalverbands Bitkom.
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