
Der Einsatz von KI in staatlichen Entscheidungsprozessen nimmt Fahrt auf. Laut einer aktuellen Prognose von Gartner werden bis 2028 mindestens 80 Prozent der Regierungen weltweit KI-Agenten zur Automatisierung routinemäßiger Abläufe einsetzen – mit weitreichenden Folgen für Effizienz, Transparenz und das Verhältnis zwischen Staat und Bürger.
Mindestens 80 Prozent der Regierungen weltweit werden bis 2028 KI-Agenten für routinemäßige Entscheidungsprozesse nutzen. Das prognostiziert das Analyse- und Beratungsunternehmen Gartner. Ziel ist es, staatliche Dienstleistungen effizienter und konsistenter zu gestalten.
Laut Daniel Nieto, Senior Director Analyst bei Gartner, wächst der Druck auf CIOs im öffentlichen Sektor, KI schnell und verantwortungsbewusst in Verwaltungsprozesse zu integrieren. Multimodale KI sowie dialog- und agentenbasierte Systeme erweitern dabei die Möglichkeiten staatlicher Organisationen, Abläufe zu automatisieren und künftige Bedarfe frühzeitig zu erkennen.
Fragmentierung bremst den Fortschritt
Ein zentrales Hindernis bleibt die strukturelle Zersplitterung innerhalb der Behörden. Eine Gartner-Umfrage unter 138 Vertretern staatlicher Organisationen weltweit (Juli bis September 2025) zeigt:
- 41 % nennen isolierte Strategien als wesentliche Herausforderung bei der Einführung digitaler Lösungen
- 31 % sehen Altsysteme als Hauptproblem
- Technologische Modernisierung allein hat diese Defizite bislang nicht behoben
Von Modell-Governance zur Entscheidungs-Governance
Mit dem zunehmenden Einsatz von KI in der Entscheidungsfindung verändert sich auch der Ansatz der Steuerung. Klassische KI-Governance konzentrierte sich auf Modelle, Daten und Algorithmen. Das Konzept der sogenannten Decision Intelligence (DI) rückt stattdessen die Entscheidung selbst in den Mittelpunkt: Wie wird sie gestaltet, ausgeführt, überwacht und geprüft?
Für staatliche Stellen ist dieser Perspektivwechsel besonders relevant, da öffentliche Legitimität unmittelbar an Transparenz und Fairness geknüpft ist. 39 Prozent der Befragten nannten verbesserte Dienstleistungsqualität und Bürgerzufriedenheit als Hauptgründe für Investitionen in staatliches Vertrauen.
„Indem Regierungen Entscheidungen steuern – und nicht nur einzelne KI-Komponenten – können sie Automatisierung und menschliches Urteilsvermögen besser ausbalancieren“, so Nieto. In hochriskanten oder rechtlich relevanten Bereichen seien undurchsichtige Black-Box-Systeme schlicht nicht tragbar.
Erklärbare KI und menschliche Aufsicht als Pflichtstandard
Gartner prognostiziert darüber hinaus, dass bis 2029 rund 70 Prozent der Behörden verpflichtende Mechanismen für erklärbare KI (Explainable AI, XAI) sowie Human-in-the-Loop-Verfahren (HITL) einführen müssen – für alle automatisierten Entscheidungen mit Auswirkungen auf Bürgerdienstleistungen. Diese Ansätze sollen sicherstellen:
- Entscheidungslogik ist nachvollziehbar und prüfbar
- Menschen behalten die Kontrolle über Ausnahmen, Einsprüche und Hochrisikofälle
- Rechenschaftspflicht bleibt auch bei wachsender Automatisierung erhalten
Bürgererfahrung als Qualitätsmaßstab
Neben Effizienzgesichtspunkten rückt das Vertrauen der Bevölkerung als Treiber digitaler Transformation in den Vordergrund. Für 50 Prozent der befragten Behördenvertreter gehört eine verbesserte Bürgererfahrung zu den drei wichtigsten strategischen Prioritäten.
Wenn staatliche Dienstleistungen stärker automatisiert ablaufen, nehmen direkte Interaktionen zwischen Bürgern und Behördenmitarbeitern tendenziell ab. In diesem Szenario gewinnen Verlässlichkeit, Fairness und Transparenz des Systems an Bedeutung. DI soll Behörden ermöglichen, von reaktiven, prozessgesteuerten Abläufen zu proaktiven, personalisierten Angeboten überzugehen – mit dem Ziel, wahrgenommene Fairness zu stärken und öffentliches Vertrauen aufzubauen.
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