
Digitalsektor trotzt schwacher Konjunktur mit solidem Wachstum
Der deutsche Markt für Informationstechnologie und Telekommunikation entwickelt sich auch 2026 positiv und erreicht ein Umsatzvolumen von 245,1 Milliarden Euro. Dies entspricht einer Steigerung von 4,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr, wie der Branchenverband Bitkom prognostiziert. Im Jahr 2025 hatte der Sektor bereits um 3,9 Prozent auf etwa 235 Milliarden Euro zugelegt.
Parallel zum Umsatzwachstum steigt auch die Beschäftigung: Die Zahl der Erwerbstätigen im ITK-Bereich soll um rund 11.000 auf 1,36 Millionen zunehmen. Ende 2025 waren es noch 1,349 Millionen Beschäftigte. Damit festigt die Branche ihre Position als größter industrieller Arbeitgeber in Deutschland – noch vor Maschinenbau, Elektro- und Automobilindustrie.
Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst betont die Stabilität des Sektors in schwierigen Zeiten: „In Zeiten anhaltender Konjunkturschwäche, hoher Kosten und geopolitischer Spannungen zeigt sich die Digitalwirtschaft widerstandsfähig.“ Allerdings sieht er erhebliches ungenutztes Potenzial: Das Wachstum könnte sich verdoppeln, wenn die politischen Rahmenbedingungen optimiert würden.
Software-Segment verzeichnet zweistelliges Wachstum
Die Informationstechnik bleibt der zentrale Wachstumsmotor der Branche. Für 2026 rechnet Bitkom mit IT-Umsätzen von 170 Milliarden Euro – ein Anstieg von 5,8 Prozent. Besonders dynamisch entwickelt sich das Software-Geschäft mit einem Zuwachs von 10,2 Prozent auf 58,3 Milliarden Euro.
Einen wesentlichen Anteil daran haben Cloud-Lösungen: Software für den Betrieb öffentlicher Clouds soll 2026 Umsätze von 38,3 Milliarden Euro generieren. Dies bedeutet eine Steigerung von 16,4 Prozent im Jahresvergleich.
Der Markt für Künstliche Intelligenz zeigt eine besonders steile Wachstumskurve, auch wenn das absolute Volumen noch vergleichsweise gering ist. Die Umsätze mit KI-Plattformen sollen um 61 Prozent auf 4,1 Milliarden Euro steigen, nachdem sie 2025 bereits um 62 Prozent gewachsen waren.
Bei IT-Dienstleistungen erwartet Bitkom Umsätze von 54,3 Milliarden Euro, was einem Plus von 3,5 Prozent entspricht. Cloudbasierte Services machen dabei mit 35,7 Milliarden Euro inzwischen etwa zwei Drittel der Umsätze aus. „Cloud und KI verändern die Software- und Service-Märkte grundlegend“, erklärt Wintergerst.
Hardware-Markt profitiert von Infrastruktur-Investitionen
Der IT-Hardware-Bereich entwickelt sich ebenfalls positiv: Bitkom erwartet ein Umsatzwachstum von 3,9 Prozent auf 57,4 Milliarden Euro. Treiber sind vor allem Investitionen in digitale Infrastrukturen.
Infrastructure-as-a-Service – also gemietete Server-, Netzwerk- und Speicherkapazitäten – bleibt der wichtigste Wachstumstreiber mit einem erwarteten Plus von 21,0 Prozent. Auch Workstations (plus 5,1 Prozent), Mobile PCs (plus 4,5 Prozent) und Server (plus 4,3 Prozent) legen zu.
Dagegen sinken die Umsätze im Bereich Consumer Electronics um 3,2 Prozent sowie bei Tablets um 3,5 Prozent. Wintergerst erläutert: „Der Hardware-Markt profitiert vom Wandel hin zu Cloud- und KI-basierten Architekturen. Besonders gefragt sind vor allem leistungsfähige Infrastrukturen und weniger einzelne Endgeräte.“
Telekommunikation wächst moderat auf 75 Milliarden Euro
Im Telekommunikationsmarkt prognostiziert Bitkom für 2026 ein Umsatzplus von 1,2 Prozent auf 75,1 Milliarden Euro. Der größte Anteil entfällt auf Telekommunikationsdienste, deren Umsätze um 1,3 Prozent auf 54,1 Milliarden Euro steigen.
Das Endgeräte-Geschäft geht leicht zurück (minus 1,2 Prozent auf 12,5 Milliarden Euro), da Smartphones länger genutzt werden. Deutlich dynamischer entwickeln sich hingegen die Investitionen in Telekommunikations-Infrastruktur mit einem Zuwachs von 4,6 Prozent auf 8,5 Milliarden Euro.
„Die Telekommunikationsnetze sind das Rückgrat der digitalen Wirtschaft, Gesellschaft und Verwaltung“, betont Wintergerst. Nahezu alle Haushalte hätten heute 5G-Zugang, der Glasfaserausbau komme voran. Um das Ausbautempo zu halten, seien investitionsfreundliche Rahmenbedingungen und schnellere Genehmigungsverfahren nötig.
Investitionsbereitschaft der Unternehmen bleibt hoch
Die ITK-Unternehmen halten ihr Investitionsniveau 2026 auf hohem Stand. 22 Prozent der Firmen planen höhere Investitionen als im Vorjahr, 58 Prozent wollen ihre Ausgaben konstant halten. Die Mittel fließen vor allem in Software sowie in Forschung und Entwicklung, daneben auch in Ausrüstung und Gebäude.
Allerdings zeigt der Bitkom-ifo-Digitalindex ein differenziertes Bild der Geschäftslage. Zum Jahresende 2025 lag der Index bei minus 4,0 Punkten. Während Unternehmen ihre aktuelle Lage noch leicht positiv bewerten (plus 1,7 Punkte), fallen die Geschäftserwartungen mit minus 9,4 Punkten deutlich verhaltener aus.
Dennoch zeigt sich die Branche widerstandsfähiger als die Gesamtwirtschaft: Der Bitkom-ifo-Digitalindex liegt klar über dem ifo Geschäftsklimaindex für Deutschland, der zuletzt bei minus 8,5 Punkten notierte.
USA bauen globale Dominanz weiter aus
Weltweit wachsen die ITK-Umsätze 2026 voraussichtlich um 6,4 Prozent auf 5,7 Billionen Euro. Die USA verzeichnen mit 9,2 Prozent das stärkste Wachstum, gefolgt von China (plus 5,5 Prozent), der EU ohne Deutschland (plus 5,1 Prozent), Indien (plus 4,9 Prozent) und dem Vereinigten Königreich (plus 4,7 Prozent).
Deutschland liegt mit 4,4 Prozent Wachstum zwei Prozentpunkte unter dem globalen Durchschnitt. Japan bildet mit 1,1 Prozent das Schlusslicht. Bei den Weltmarktanteilen dominieren die USA mit 41 Prozent – und bauen diese Position gegenüber China weiter aus. China folgt mit 11 Prozent, Japan mit 4,4 Prozent. Deutschland erreicht einen Anteil von 3,9 Prozent, das Vereinigte Königreich 3,8 Prozent, Indien 2,4 Prozent. Auf die EU ohne Deutschland entfallen 11 Prozent des globalen ITK-Markts.
Bitkom fordert digitalpolitischen Durchbruch
Der Branchenverband sieht 2026 als entscheidendes Jahr für die digitale Transformation. Digitalisierung biete die Chance, Wachstum zu schaffen, die staatliche Leistungsfähigkeit zu erhöhen und den Standort Deutschland krisenfest zu machen. Voraussetzung seien weniger Bürokratie, Smart Regulation statt Überregulierung und eine zügige Umsetzung bereits beschlossener Vorhaben.
Als besonders wichtig nennt Bitkom die Einführung der Eudi-Wallet als digitale Brieftasche innerhalb eines Jahres. „Die Eudi-Wallet ist die Grundvoraussetzung für den flächendeckenden Einsatz digitaler Identitäten, sichere digitale Geschäftsprozesse und Verwaltungsleistungen“, erklärt Wintergerst.
Weitere zentrale Forderungen betreffen die Veröffentlichung der geplanten Rechenzentrumsstrategie inklusive Energiepreis-Entlastung für die energieintensive Digitalwirtschaft sowie den schnellen Ausbau digitaler Infrastrukturen und die Entwicklung der Cloud- und KI-Infrastruktur. „Digitale Wettbewerbsfähigkeit und digitale Souveränität entscheiden darüber, ob Deutschland auch künftig wirtschaftlich erfolgreich und politisch handlungsfähig ist“, so Wintergerst.
Bild/Quelle: https://depositphotos.com/de/home.html
Die Marktprognose basiert auf Daten von Bitkom Research, öffentlich zugänglichen Informationen, Bitkom-Studien sowie externen Daten von Analystenhäusern. Zur Validierung wurden Experteninterviews im Bitkom-Netzwerk durchgeführt. Der Bitkom-ifo-Digitalindex basiert auf der monatlichen ifo Konjunkturumfrage und bildet sich aus dem geometrischen Mittel der Werte für Geschäftslage und Geschäftserwartungen.
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