
Geopolitische Konflikte verschieben sich zunehmend in den wirtschaftlichen und technologischen Raum – und damit direkt in europäische Organisationen hinein. Ein aktueller Bericht zeigt: Die große Mehrheit der Unternehmen mit erhöhtem Risikoprofil ist auf interne Sicherheitsvorfälle nicht ausreichend vorbereitet.
Die gegenwärtigen weltpolitischen Entwicklungen stellen die Sicherheitsarchitektur europäischer Unternehmen und Institutionen vor erhebliche Herausforderungen. Der Insider Risk Trend Report 2026, den die Beratungsfirma Signpost Six heute präsentierte, offenbart eine bedeutende Sicherheitslücke: 84 Prozent der europäischen Organisationen mit hohem Risikoprofil sehen sich nicht ausreichend gerüstet, um Vorfälle durch Insider zu identifizieren und darauf zu reagieren.
Während der Druck durch internationale Spannungen wächst, richten viele Organisationen ihre Aufmerksamkeit nicht ausreichend auf Gefahren, die aus den eigenen Reihen entstehen können. Risiken durch Insider – also die Möglichkeit von nachrichtendienstlicher Tätigkeit, gezielter Störung oder strategischer Beeinflussung durch Personal, externe Mitarbeiter oder Zulieferer – haben sich zu einer systematischen Schwachstelle entwickelt.
Die Analyse macht deutlich: Interne Sicherheitsrisiken sind nicht länger vereinzelte Ereignisse, sondern stellen ein grundsätzliches Problem in einer Zeit dar, in der internationale Auseinandersetzungen vermehrt über wirtschaftliche, technische und gesellschaftliche Wege geführt werden. Nachrichtendienste, kriminelle Strukturen und politisch motivierte Gruppen richten ihren Fokus verstärkt auf den Faktor Mensch, um destabilisierende Wirkung zu erzielen.
Die Rekrutierung von Personen, die bereits über Systemzugriff, Fachwissen und Einblick in Entscheidungsabläufe verfügen, erweist sich häufig als wirksamer und unauffälliger als herkömmliche digitale Angriffe oder physische Sabotageakte.
Signpost Six identifiziert verschiedene weltpolitische Trends, die das Risiko durch Insider deutlich verstärken. Ein zentraler Faktor ist die Zunahme hybrider Konfliktformen, bei denen Staaten ihre Rivalitäten vermehrt jenseits traditioneller militärischer Auseinandersetzungen austragen. Kommerzielle Einrichtungen – von Infrastrukturbetreibern über Technologiefirmen bis zu Logistikunternehmen – geraten dadurch zunehmend ins Visier nachrichtendienstlicher und sabotierender Aktivitäten.
„Staatliche Stellen und organisierte kriminelle Strukturen fokussieren sich verstärkt auf Mitarbeitende innerhalb von Organisationen. Deren unmittelbarer Zugang zu Standorten, Personen und vertraulichen Informationen macht sie zu einem attraktiven und wirkungsvollen Ansatzpunkt“, erklärt Dennis Bijker, Geschäftsführer von Signpost Six.
Parallel dazu setzen staatliche Akteure in zunehmendem Maße kriminelle Netzwerke als Stellvertreter ein, um Operationen mit geringer Nachvollziehbarkeit durchzuführen. Beschäftigte werden dabei durch drastische Mittel wie finanzielle Anreize, Bedrohungen oder Erpressung unter Druck gesetzt.
Hinzu kommt die Globalisierung von Lieferketten, die die Verwundbarkeit von Organisationen erhöht hat. Der Zugriff auf kritische Systeme und Abläufe liegt häufig bei Dritten, die unter unterschiedlichen rechtlichen und politischen Bedingungen arbeiten. Internationale Spannungen können sich daher unmittelbar auf operative Prozesse auswirken.
Die aktuelle Lage verdeutlicht, dass technische und physische Schutzmaßnahmen allein nicht mehr genügen. Die Widerstandsfähigkeit von Organisationen erfordert eine eindeutige Verantwortungsübernahme für Risiken auf Leitungsebene sowie eine enge Koordination zwischen den Bereichen Personal, Sicherheit, Risikomanagement und Recht. Geopolitische Entwicklungen finden nicht mehr ausschließlich außerhalb der Organisation statt, sondern manifestieren sich auch innerhalb der eigenen Strukturen. Werden diese Entwicklungen nicht berücksichtigt, besteht die Gefahr, dass Mitarbeitende ungewollt zur Zielscheibe werden.
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