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Illegaler Handel: SMS-Blaster erreichen 68 internationale Märkte

7. Februar 2026

Globaler Handel mit Betrugsgeräten floriert trotz bekannter Risiken Der internationale Vertrieb von SMS-Blastern nimmt zu. Diese als „gefälschte Basisstationen“ bezeichneten Geräte ermöglichen den Versand von SMS-Nachrichten unter kompletter Umgehung der regulären Mobilfunknetze. Ein aktueller Fall zeigt das Ausmaß: Ein Anbieter bewirbt seine Produkte gezielt in 68 verschiedenen Ländern und Regionen.

Die Geräte versenden laut Herstellerangaben bis zu 150.000 SMS-Nachrichten pro Stunde in einem Radius von drei Kilometern. Dabei werden sämtliche Sicherheitsfilter der Telekommunikationsnetze außer Kraft gesetzt, die normalerweise vor verdächtigen Nachrichten schützen.

Websites wechseln Namen, Inhalte bleiben identisch

Die Analyse eines konkreten Falls verdeutlicht die Dynamik des Geschäfts. Eine Website namens AAGSMS.com war mindestens einen Monat online, bevor sie vom Netz genommen wurde. Kurz darauf erschien SMSZZH.com mit nahezu identischem Inhalt. Lediglich das Farbschema wurde von Grün auf Rot geändert, zusätzlich finden sich mehr irrelevante Seiten auf der neuen Domain – vermutlich um automatisierte Erkennungssysteme zu täuschen.

Der Anbieter strukturiert seine Website gezielt für bessere Suchmaschinen-Rankings. Für jedes Land, in dem ein Verkauf angestrebt wird, existiert eine separate Unterseite. Eine systematische Auswertung der Seitenstruktur ergibt 68 verschiedene Zielmärkte.

Vertriebsnetz umfasst alle Kontinente

Die Länderliste des Anbieters umfasst sowohl Staaten, in denen SMS-Blaster bereits nachgewiesen wurden, als auch solche ohne dokumentierte Fälle. Kambodscha, Frankreich, Neuseeland und Katar gehören zu den Ländern mit dokumentierter Nutzung. Oman, Serbien und die Schweiz verzeichnen ebenfalls nachgewiesene Aktivitäten, tauchen in der Verkaufsliste dieses Anbieters jedoch nicht auf.

Deutschland, Indien, Saudi-Arabien und die USA finden sich dagegen in der Vertriebsliste, ohne dass bisher Berichte über den Einsatz solcher Geräte vorliegen. Dies wirft die Frage auf, ob in diesen Ländern tatsächlich keine SMS-Blaster im Einsatz sind oder ob schlicht keine entsprechenden Untersuchungen stattgefunden haben.

Ursprung und Entwicklung der Technologie

Die Produktion der Geräte erfolgt in China. Dort stellten SMS-Blaster bereits vor Jahren ein erhebliches Problem dar. Unternehmen nutzten sie für Spam-Werbung, kriminelle Gruppen für Betrugsmaschen. Vor knapp zehn Jahren reagierten chinesische Behörden mit strikten Verboten für Verkauf und Nutzung.

Diese Maßnahmen führten zu einer Verlagerung. Hersteller und kriminelle Abnehmer richteten ihre Aufmerksamkeit auf andere Märkte, in denen der Import und Einsatz nicht untersagt war – faktisch der größte Teil der Welt. Regierungen neigen dazu, Technologien erst zu regulieren, wenn sie von deren Existenz Kenntnis erhalten.

Lücken bei Nachweis und Verfolgung

Die Dokumentation der weltweiten Verbreitung gestaltet sich schwierig. Eine spezialisierte Karte verzeichnet nachgewiesene Fälle in mindestens 21 Ländern. Diese Darstellung basiert auf mehrsprachigen Recherchen unter Einsatz von KI-gestützten Suchverfahren. Dennoch dürfte die tatsächliche Verbreitung höher liegen.

Einige Regierungen und Telekommunikationsunternehmen informieren die Öffentlichkeit nicht über entdeckte Fälle. In Japan wurde die Problematik beispielsweise erst durch Recherchen von Privatpersonen bekannt. Das Fehlen von Berichten aus einem Land bedeutet nicht zwangsläufig die Abwesenheit der Geräte – häufig fehlt lediglich die aktive Suche danach.

Prioritäten im Online-Verbraucherschutz

Die Geschwindigkeit, mit der betrügerische Websites vom Netz genommen werden, variiert erheblich. Plattformen, die zu Haftungsansprüchen gegen Finanzinstitute führen könnten, werden prioritär behandelt. Websites, die Betrugsgeräte anbieten, ohne dass ein Großunternehmen direkt geschädigt wird, bleiben länger online.

Suchmaschinenanbieter zeigen unterschiedliche Reaktionsmuster. Google erweist sich als zurückhaltend bei Maßnahmen gegen Werbung für SMS-Blaster, obwohl das Unternehmen Android mit Funktionen ausgestattet hat, die Telefone gegen gefälschte Basisstationen absichern sollen.

Handlungsbedarf für Behörden

Für Länder, die in der Vertriebsliste auftauchen, aber keine dokumentierten Fälle aufweisen, stellt sich eine grundsätzliche Frage: Sollten Behörden aktiv nach Beweisen für den Betrieb von SMS-Blastern suchen? Oder kann davon ausgegangen werden, dass Kriminelle diese Märkte nicht als lohnend erachten?

Die primäre Reaktion sollte die Auseinandersetzung mit der Tatsache sein, dass Betrugsgeräte offen im Internet vertrieben werden. Die bloße Verfügbarkeit der Technologie schafft Anreize für kriminelle Nutzung. Das Fehlen von Nachweisen lässt sich unterschiedlich interpretieren – als tatsächliche Abwesenheit oder als Hinweis auf unzureichende Überwachung.

Die Differenz zwischen der Anzahl nachgewiesener Fälle (21 Länder) und beworbener Zielmärkte (68 Länder) deutet auf erhebliche Wissenslücken hin. Diese Lücke zu schließen, erfordert systematische Untersuchungen und grenzüberschreitende Kooperation.

Quelle: Ein interessanter Beitrag von Eric Priezkalns, Commsrisk. Commsrisk ist eine Website, die über die Risiken berichtet, denen Anbieter elektronischer Kommunikationsdienste und ihre Kunden ausgesetzt sind.

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