
Der französische Staat vollzieht einen strategischen Wechsel in seiner digitalen Infrastruktur: Die Videokonferenzplattform „Visio“ wird landesweit in allen Behörden ausgerollt. Die von der interministeriellen Direktion für Digitales entwickelte Lösung soll ausländische Anbieter ersetzen und die Kontrolle über sensible Kommunikationsdaten sichern.
Staatliche Videokonferenzlösung ersetzt internationale Anbieter
David Amiel, stellvertretender Minister für den öffentlichen Dienst und Staatsreform, hat die flächendeckende Einführung der Videokonferenzplattform „Visio“ angekündigt. Die von der DINUM (Interministerielle Direktion für Digitales) entwickelte Anwendung soll bis 2027 in sämtlichen staatlichen Einrichtungen implementiert werden.
Zentrales Anliegen ist die Ablösung nicht-europäischer Dienste sowie die Gewährleistung geschützter Kommunikationskanäle in der öffentlichen Verwaltung.
Bei einem Termin am 26. Januar im I2BC-Labor des französischen Forschungszentrums CNRS in Gif-sur-Yvette präsentierte der Minister gemeinsam mit Stéphanie Schaer, Leiterin der DINUM, und Alain Schuhl, stellvertretender wissenschaftlicher Direktor des CNRS, das Konzept zur Standardisierung der Videokonferenz-Infrastruktur.
Einheitliche Infrastruktur statt Insellösungen
Gegenwärtig nutzen französische Behörden unterschiedliche Plattformen wie Teams, Zoom, GoTo Meeting oder Webex. Diese Fragmentierung führt zu Sicherheitsrisiken, technologischer Abhängigkeit von externen Anbietern, erhöhten Ausgaben und Schwierigkeiten bei der behördenübergreifenden Zusammenarbeit. Die sukzessive Implementierung einer zentral verwalteten, auf französischer Technologie basierenden Plattform stellt einen wesentlichen Schritt zur Stärkung der digitalen Autonomie dar.
Pilotphase zeigt positive Resonanz
Die Testphase von „Visio“ startete vor zwölf Monaten und verzeichnet bereits 40.000 aktive Anwender. Aktuell läuft die Ausweitung auf 200.000 Beschäftigte. Zu den Vorreitern gehören das CNRS, die Krankenversicherung, die Generaldirektion für öffentliche Finanzen (DGFIP) sowie das Verteidigungsministerium, die im ersten Quartal 2026 vollständig auf die neue Lösung umstellen. Das CNRS wird bis Ende März seine bisherigen Zoom-Lizenzen für 34.000 Mitarbeitende und 120.000 assoziierte Forschende durch Visio substituieren.
Technische Spezifikationen und Sicherheitsstandards
Die Entwicklung von „Visio“ erfolgte in Abstimmung mit der französischen Cybersicherheitsbehörde ANSSI. Die Plattform erfüllt spezifische Anforderungen an Datenschutz und Vertraulichkeit für den öffentlichen Sektor. Technisch umfasst die Lösung folgende Komponenten:
- Hosting auf Servern von Outscale, einer Dassault Systèmes-Tochter, mit SecNumCloud-Zertifizierung der ANSSI
- Transkriptionsfunktion mittels KI-Technologie des französischen Start-ups Pyannote zur Sprechererkennung
- Geplante Echtzeituntertitelung ab Sommer 2026 basierend auf Entwicklungen des französischen KI-Forschungslabors Kyutai
Wirtschaftliche Auswirkungen
Der Verzicht auf lizenzpflichtige kommerzielle Software generiert messbare Einsparungen. Pro 100.000 Nutzer, die von kostenpflichtigen Plattformen migrieren, werden jährliche Kostensenkungen von einer Million Euro prognostiziert.
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