
Vom 9. bis 12. Februar 2026 hat Europol in Den Haag eine multinationale Einsatzübung durchgeführt, an der Spezialkräfte, Überwachungseinheiten und Flugsicherheitsbeamte aus zwölf EU-Mitgliedstaaten teilnahmen. Im Mittelpunkt standen die koordinierte Verfolgung von Verdächtigen über Ländergrenzen hinweg, die Abwehr hybrider Bedrohungen sowie die Abstimmung zwischen verschiedenen europäischen Expertennetzwerken.
Zwei parallele Szenarien als Übungsrahmen
Die Übung „Allies 2026″ arbeitete mit zwei gleichzeitig laufenden, fiktiven Operationen, die sich inhaltlich und geografisch überlagerten. Beide Szenarien verlangten von den Teilnehmenden, Informationen lückenlos weiterzugeben, Übergaben reibungslos zu gestalten und nahtlos an die Arbeit anderer Einheiten anzuknüpfen.
Die erste Operation – Codename „Shamrock“ – startete in Irland und simulierte die Verfolgung von Personen, die in die Niederlande reisten, um dort mit Kryptowährung Betäubungsmittel zu erwerben. Die Routen der fiktiven Zielpersonen führten über Amsterdam und Rotterdam nach Frankreich, wo Zwischenstopps in Amiens und Rouen stattfanden, bevor die Personen per Fähre von Cherbourg nach Dublin überquerten. Dort nahm ein irisches Überwachungsteam die Verfolgung auf und übergab schließlich an eine Spezialeinheit, die die Festnahme an einem Lagerhaus vollzog.
Die zweite Operation – Codename „Cargill“ – simulierte die Vorbereitung koordinierter Anschläge auf Infrastruktureinrichtungen wie Kraftwerke, einen Ölhafen und einen Windpark. Dieses Szenario stand exemplarisch für hybride Bedrohungen, bei denen staatliche oder nichtstaatliche Akteure gezielt versuchen, gesellschaftlich relevante Versorgungsstrukturen zu destabilisieren. Die Verdächtigen bewegten sich dabei durch Belgien, Luxemburg, die Niederlande, Deutschland, Österreich und Rumänien. Ziel der beteiligten Einsatzkräfte war es, die geplanten Aktionen durch rechtzeitige Festnahmen zu verhindern.
Drei Netzwerke, ein gemeinsamer Einsatzrahmen
Die Übung brachte drei spezialisierte europäische Netzwerke zusammen. Das ATLAS-Netzwerk, das in diesem Jahr auf 25 Jahre Bestehen zurückblickt, vereint 38 Spezialeinheiten aus allen 27 EU-Mitgliedstaaten sowie aus Island, Norwegen, der Schweiz und dem Vereinigten Königreich. Es bildet den Kooperationsrahmen für Einheiten, die gegen Terrorismus sowie schwere und organisierte Kriminalität – einschließlich hybrider Bedrohungsszenarien – vorgehen.
Die European Surveillance Group (ESG), die durch Mittel der Europäischen Kommission finanziert wird, widmet sich der Förderung verdeckter Überwachungskapazitäten und unterstützt ihre Partnerbehörden mit fachlicher und taktischer Beratung. Über Schulungen und gemeinsame Übungen arbeitet die ESG daran, einheitliche operative Standards zu etablieren und den Informationsaustausch bei länderübergreifenden Ermittlungen zu verbessern.
Das In-Flight Security Officer Network (EIFS) schließlich bündelt die Zusammenarbeit europäischer Flugsicherheitsbeamter – sogenannter Air Marshals. Es koordiniert gemeinsame Standards, Ausbildungsformate und operative Verfahren mit dem Ziel, die Sicherheit an Bord von Luftfahrzeugen EU-weit auf einem einheitlichen Niveau zu halten.
Kommunikationsplattform NEOS im Praxistest
Neben der Übung selbst nutzten die Teilnehmenden die Gelegenheit, die EU-geförderte taktische Kommunikationsplattform „NEOS“ unter operativen Bedingungen zu erproben. Das System ist darauf ausgelegt, verdeckte Überwachung zu unterstützen und den Austausch sensibler Einsatzinformationen in Echtzeit zu ermöglichen.
Europol koordinierte die gesamte Übung von einem eigens eingerichteten Lageraum in seiner Zentrale in Den Haag aus und übernahm neben der logistischen Vorbereitung auch die inhaltliche Abstimmung zwischen den beteiligten Netzwerken.
An „Allies 2026″ beteiligten sich Österreich, Belgien, Tschechien, Frankreich, Deutschland, Ungarn, Irland, Luxemburg, die Niederlande, Portugal, Rumänien und die Slowakei.
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