Share
Beitragsbild zu DSAG-Investitionsreport 2026: SAP bleibt gefragt – Budgets wachsen langsamer

DSAG-Investitionsreport 2026: SAP bleibt gefragt – Budgets wachsen langsamer

26. Februar 2026

Der aktuelle Investitionsreport der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe (DSAG) zeigt ein differenziertes Bild: SAP-Investitionen nehmen zwar weiter zu, allerdings mit gebremstem Tempo. Wirtschaftlichkeit und Umsetzbarkeit stehen im Vordergrund – Themen wie Künstliche Intelligenz und Cloud-Modelle stoßen auf Interesse, müssen ihren Nutzen für die Praxis aber erst noch unter Beweis stellen.

IT-Budgets wachsen, aber verhaltener als zuvor

Die IT-Ausgaben steigen bei einem Großteil der befragten Unternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz auch 2026 weiter an – wenngleich weniger ausgeprägt als noch vor zwei Jahren. Bei 38 Prozent der Unternehmen erhöht sich das IT-Gesamtbudget, gegenüber 43 Prozent im Jahr 2024. Gleichzeitig berichten 24 Prozent von sinkenden Budgets (2024: 18 Prozent).

Ähnlich verhält es sich bei den SAP-spezifischen Ausgaben: 43 Prozent der Befragten planen höhere Investitionen in SAP-Software, zwei Jahre zuvor waren es noch 46 Prozent. Der Anteil jener, bei denen das Budget zurückgeht, stieg von 19 auf 28 Prozent.

DSAG-Vorstandsvorsitzender Jens Hungershausen ordnet die Entwicklung ein: Energiepreise, geopolitische Unsicherheiten und ein angespanntes Marktumfeld führten dazu, dass Investitionsentscheidungen stärker hinterfragt würden – auch im SAP-Umfeld. Gleichzeitig stehe SAP selbst nicht grundsätzlich in Frage.

SAP behält strategische Bedeutung

Die Relevanz von SAP für die Unternehmensausrichtung wird von der Mehrheit der Befragten als stabil eingeschätzt: 48 Prozent sehen sie unverändert, 36 Prozent berichten von wachsender Bedeutung, und 16 Prozent nehmen eine abnehmende Relevanz wahr – Werte, die sich im Mehrjahresvergleich kaum verändern.

Erstmals wurden in diesem Jahr auch die zentralen Einflussfaktoren auf SAP-Investitionsentscheidungen abgefragt. Die meistgenannten Herausforderungen sind die Wirtschaftlichkeit von SAP-Investitionen sowie die allgemeinen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen (jeweils 79 Prozent), gefolgt von Fragen rund um Lizenz- und Vertragsgestaltung (70 Prozent), dem Wartungsende (63 Prozent) sowie der Umsetzung gesetzlicher Vorgaben (59 Prozent).

Als übergeordnete Ziele der SAP-Investitionsplanung nennen die Befragten vor allem drei Bereiche: digitale Transformation und Prozessmodernisierung, Kostenoptimierung sowie Compliance und Sicherheit.

S/4HANA: On-Premises weiterhin bevorzugt

Die Nutzung von S/4HANA On-Premises hat gegenüber 2024 merklich zugenommen: 56 Prozent der Befragten setzen inzwischen auf die lokal betriebene Variante (2024: 44 Prozent), womit S/4HANA On-Premises erstmals vor SAP ECC und der alten Business Suite liegt (54 Prozent, 2024: 68 Prozent).

Bei den geplanten Investitionen für 2026 entfallen 42 Prozent der hohen und mittleren Budgets auf S/4HANA On-Premises, 22 Prozent auf die Private-Cloud-Variante und lediglich 6 Prozent auf die Public Cloud. Für SAP ECC planen noch 10 Prozent entsprechende Investitionen.

Aus Sicht der DSAG spiegelt das den anhaltenden Wunsch nach Kontrolle und Planungssicherheit wider. Die geringe Investitionsbereitschaft in Public-Cloud-Modelle zeige, dass Unternehmen hier noch funktionale Tiefe und verlässliche Rahmenbedingungen vermissen. Hungershausen betont: Echte Wahlfreiheit zwischen den Betriebsmodellen und eine klare Roadmap seien für die Anwender entscheidend.

Migrationszeitpläne verschieben sich

Unter den Unternehmen, die noch mit SAP ECC arbeiten, plant rund die Hälfte die Umstellung auf S/4HANA bis Ende 2030 – und nimmt damit Extended-Maintenance-Aufschläge in Kauf. 37 Prozent streben den Wechsel bis Ende 2027 an, während 4 Prozent erst bis 2033 migrieren wollen.

Hungershausen wertet die längerfristige Planung nicht als Aufschub, sondern als Ausdruck technischer Realität: Komplexe Systemlandschaften, Fachkräftemangel, parallele Transformationsprojekte und begrenzte Budgets machten es vielen Unternehmen schlicht unmöglich, früher umzusteigen – auch wenn das mit höheren Wartungskosten verbunden sei.

Cloud-Zielbilder und neue Tools noch nicht vollständig akzeptiert

Erstmals wurde erhoben, wie stark sich Unternehmen bei ihrer Planung an der neuen SAP Business Suite als strategischem Zielbild orientieren – bestehend aus Cloud-ERP, SAP Business AI, Business Data Cloud und Business Technology Platform. Das Ergebnis: 35 Prozent orientieren sich stark daran, 62 Prozent hingegen weniger oder gar nicht.

Auch die SAP Integrated Toolchain (Cloud ALM, Signavio, LeanIX, WalkMe) ist noch nicht weit verbreitet: 24 Prozent nutzen sie bereits ganz oder teilweise, 39 Prozent planen dies. 17 Prozent sehen keine Nutzung vor.

Hungershausen sieht ein durchgängiges Muster: Unternehmen erwarten klare Aussagen zum konkreten Mehrwert, zur Integrierbarkeit in bestehende Systemlandschaften und zur wirtschaftlichen Tragfähigkeit – erst dann fließen strategische Konzepte in echte Investitionsentscheidungen ein.

BTP und SuccessFactors führen bei SaaS-Investitionen

Mit einem Anteil von 39 Prozent (2024: 33 Prozent) bei hohen und mittleren Investitionen liegt die SAP Business Technology Platform (BTP) auf dem ersten Platz unter den SaaS-Lösungen. SuccessFactors folgt mit 23 Prozent (2024: 21 Prozent). Neu im Ranking ist die 2025 eingeführte SAP Business Data Cloud (inkl. Datasphere), die bereits auf 22 Prozent kommt.

Innerhalb der BTP wächst das Interesse an Integrationslösungen besonders stark: 45 Prozent planen hier hohe oder mittlere Investitionen (2024: 27 Prozent). Für KI-Funktionen innerhalb der BTP planen 16 Prozent entsprechende Budgets – gegenüber nur 2 Prozent im Vorjahr.

Künstliche Intelligenz: Interesse vorhanden, Umsetzung ausbaufähig

43 Prozent der Befragten haben bereits KI-Anwendungsfälle realisiert, 51 Prozent hingegen noch nicht. Dabei zeigt sich eine klare Tendenz: Umgesetzte Use-Cases basieren überwiegend auf Nicht-SAP-Lösungen. 77 Prozent der Unternehmen mit produktiven KI-Einsätzen nutzen dafür externe Lösungen, nur 3 Prozent setzen dabei auf SAP.

Hungershausen sieht darin ein Signal an den Hersteller: Viele Unternehmen arbeiteten noch mit On-Premises-Systemen oder stark individualisierten Landschaften, in denen SAP-basierte KI-Innovationen nur eingeschränkt nutzbar seien. Die DSAG fordert mehr Wahlfreiheit, Transparenz und realistische Migrationspfade. Zugleich weist er darauf hin, dass für SAP-basierte KI-Szenarien andere Anforderungen gelten als für den Einsatz standardisierter Large-Language-Model-Lösungen.

Fazit: Selektiv statt zögerlich

Der DSAG-Investitionsreport 2026 zeichnet das Bild einer SAP-Anwenderwelt, die weiterhin in die Plattform investiert – aber mit wachsamer Zurückhaltung. Nicht Visionen, sondern Umsetzbarkeit, Wirtschaftlichkeit und Integrationsfähigkeit steuern die Entscheidungen. Digitale Transformation bleibt das Leitmotiv, muss sich aber stärker mit Kostendisziplin und regulatorischen Anforderungen vereinbaren lassen.

Bei neuen Themen wie KI, der integrierten Toolchain oder der neuen SAP Business Suite gilt: Das Interesse ist da – die flächendeckende Umsetzung noch nicht.

Grundlage des Berichts ist eine Erhebung der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe e. V. (DSAG) unter Unternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Vergleichbarkeit der Ergebnisse orientiert sich laut DSAG stärker am Investitionsreport 2024 als am Vorjahresbericht 2025, da 2025 einmalig SAP selbst die Befragung durchgeführt hatte.

Lesen Sie mehr

 


Folgen Sie uns auf X

Folgen Sie uns auf Bluesky

Folgen Sie uns auf Mastodon

Hamsterrad Rebell – Cyber Talk