
Seit einigen Jahren führt Apple Benachrichtigungskampagnen durch, um Personen zu warnen, die von Spyware wie den berüchtigten Programmen Pegasus, Predator und Graphite ins Visier genommen werden.
Kürzlich veröffentlichte das französische Computer Emergency Response Team eine öffentliche Erklärung, in der es die Nutzer aufforderte, die Kampagne von Apple ernst zu nehmen, da die Angreifer Journalisten, Aktivisten, Politiker und Beamte ins Visier nehmen.
Es wäre jedoch falsch anzunehmen, dass normale Menschen nicht Gefahr laufen, ausspioniert zu werden. Cyberkriminelle haben mittlerweile einfachen Zugang zu Spyware und machen keinen Unterschied zwischen ihren Opfern – jeder ist für sie interessant.
Warum hochkarätige Personen ins Visier genommen werden
Journalisten, Politiker und Aktivisten haben oft Zugang zu sensiblen Informationen und können einen größeren Einfluss auf die öffentliche Meinung und Politik haben. Kein Wunder, dass sie am häufigsten von Spyware ins Visier genommen werden.
Spyware-Kampagnen sind sorgfältig geplant, sie basieren oft auf Zero-Click-Exploits und tief in Betriebssystemen verborgenen Schwachstellen, wodurch sie unentdeckt bleiben und beim Opfer keinen Verdacht erregen.
In solchen Fällen geht es nicht um Geld. In manchen Fällen geht es um Menschenleben.
Das Risiko für normale Bürger
Sie denken vielleicht: „Ich bin kein Journalist und kein Politiker. Das betrifft mich nicht.“ Leider ist das eine gefährliche Annahme.
Wahrscheinlich verwenden Sie die gleichen Geräte und Apps wie die Mitglieder Ihres nationalen Parlaments. In manchen Fällen spielt es keine Rolle, wem das Telefon gehört – Cyberkriminelle versuchen ihr Glück trotzdem.
Die Schwachstellen, die Angreifer für Zero-Click-Angriffe oder Speicherbeschädigungen ausnutzen, betreffen weltweit eine große Anzahl von Geräten.
Jüngste Untersuchungen des Atlantic Council und CERT-FR zeigen, dass die Spyware-Branche boomt. Die Investitionen in Spyware-Technologie schießen in die Höhe, wodurch die Zahl der Anbieter und Wiederverkäufer weltweit zunimmt.
Die USA haben sich zum größten Investor in kommerzielle Spyware entwickelt und treiben damit die rasante Expansion einer globalen Überwachungsindustrie voran.
Dieser Marktboom zeigt, dass nicht mehr nur Regierungen diese Technologien nutzen. Cyberkriminelle Banden und andere Bedrohungsakteure setzen Spyware in größerem Umfang ein. Diese Angriffe sind nicht unbedingt zielgerichtet, sondern eher opportunistischer Natur.
Warum sollte jemand außer Regierungen Sie ausspionieren wollen? Nun, es könnte auch ein Stalker, ein gewalttätiger Partner oder ein Erpresser sein, der in Ihrem Gerät lauert. Über häusliche Gewalt hinaus wird Spyware auch häufig zur Erleichterung von Finanzbetrug eingesetzt.
Dies kann zu verheerenden persönlichen Folgen führen, die weit entfernt sind von hochkarätigen geopolitischen Konflikten.
Was normale Nutzer beachten sollten
Unter dem Strich ist niemand immun gegen Spyware-Bedrohungen. Sowohl hochkarätige Ziele als auch normale Bürger sind denselben Schwachstellen und zunehmend aggressiven und weit verbreiteten Überwachungstaktiken ausgesetzt.
So schützen Sie sich vor Spyware:
- Halten Sie Ihre Geräte und Software auf dem neuesten Stand
- Aktivieren Sie die Multi-Faktor-Authentifizierung für alle Konten
- Priorisieren Sie datenschutzorientierte Apps und verschlüsselte Kommunikation
- Beschränken Sie App-Berechtigungen und überprüfen Sie diese regelmäßig
Es gibt auch einige verräterische Anzeichen für Spyware (oder andere Arten von Malware) auf Ihrem Smartphone:
- Erhöhter Datenverbrauch
- Ungewöhnlich schneller Batterieverbrauch
- Träge Geräteleistung
- Unbekannte Apps auf dem Telefon
- Zufällig blinkendes Kameralicht, das anzeigt, dass die Kamera eingeschaltet ist
Spyware versteckt sich oft in aller Öffentlichkeit und wird von herkömmlichen Sicherheitsmaßnahmen nicht erkannt. Sie stellt eine Verletzung der grundlegenden Menschenrechte dar, da sie die vollständige Kontrolle über unsere Geräte übernehmen kann, auf denen unser Leben gespeichert ist.
Das Beängstigende daran ist, dass man nicht einmal auf einen bösartigen Link klicken muss, um infiziert zu werden. Mein bester Rat ist, niemals Ihre Geheimnisse Ihren Geräten anzuvertrauen. Verhalten Sie sich online so, als wären Ihre Worte und Handlungen öffentlich, denn wir leben in einem Panoptikum.
ÜBER DIE AUTORIN
Jurgita Lapienytė ist Chefredakteurin bei Cybernews, wo sie ein Team von Journalisten und Sicherheitsexperten leitet, das sich der Aufdeckung von Cyber-Bedrohungen durch Forschung, Tests und datengestützte Berichterstattung widmet. In ihrer über 15-jährigen Karriere hat sie über wichtige globale Ereignisse berichtet, darunter die Finanzkrise 2008 und die Terroranschläge von Paris 2015, und durch investigativen Journalismus für mehr Transparenz gesorgt. Als leidenschaftliche Verfechterin des Bewusstseins für Cybersicherheit und von Frauen in der Tech-Branche hat Jurgita führende Persönlichkeiten aus dem Bereich Cybersicherheit interviewt und gibt den unterrepräsentierten Stimmen in der Branche eine Plattform.
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