
Cloud-Trends im SAP-Umfeld: Eine internationale Bestandsaufnahme
Immer mehr Unternehmen verlagern geschäftskritische Prozesse in die Cloud – dennoch bleibt die Realität komplexer als ein reiner Technologiewechsel vermuten lässt. Eine gemeinsame Erhebung der SAP-Anwendergruppen aus der DACH-Region, Nordamerika, Großbritannien und Japan zeigt: Die Cloud setzt sich zwar durch, doch hybride Systemarchitekturen bilden weiterhin den Standard. Gleichzeitig offenbaren die Ergebnisse deutlichen Informations- und Orientierungsbedarf rund um moderne SAP-Services wie die neue Business Suite oder die Business Data Cloud.
Hybride Systemlandschaften als dominierendes Betriebsmodell
Laut Umfrage nutzen weltweit über zwei Drittel der befragten SAP-Anwender Cloud-Services für Unternehmensanwendungen, Datenhaltung oder Workloads. Dabei ergibt sich ein klares Bild:
Unternehmen setzen nicht ausschließlich auf eine Betriebsform, sondern kombinieren On-Premises-Umgebungen und Cloud-Komponenten zu flexiblen Hybridmodellen.
Ein Blick auf die Zahlen:
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DSAG-Mitglieder: 76 % nutzen Cloud-Technologien
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ASUG (Nordamerika): 84 %
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UKISUG (Großbritannien & Irland): 70 %
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JSUG (Japan): 72 %
Jens Hungershausen, Vorstandsvorsitzender der DSAG, ordnet dies so ein: Während die Cloud in den USA stark an Fahrt aufgenommen hat, verläuft die Transformation im deutschsprachigen Raum kontrollierter. Gründe sieht er in gewachsenen On-Premises-Strukturen, hohen Compliance-Anforderungen und dem ausgeprägten Wunsch nach langfristiger Investitionssicherheit.
Vertrautheit mit der neuen SAP Business Suite noch verhalten
Obwohl SAP die Modernisierung seines Produktportfolios vorantreibt, zeigt die Erhebung, dass nur rund 33 Prozent der Teilnehmenden sich aktuell als (sehr) vertraut mit der neuen Business Suite einschätzen. Dies deutet darauf hin, dass Unternehmen zwar grundsätzlich bereit für den technologischen Wandel sind, aber noch Zeit und Orientierung benötigen, um Potenziale und Auswirkungen neuer S/4HANA-basierter Lösungen vollständig zu erfassen.
Business Data Cloud: Hoher Bedarf an Einordnung und Informationen
Ein weiterer Schwerpunkt der Umfrage betrifft die Business Data Cloud. Sie soll als zentrale Daten- und Integrationsplattform einen einheitlichen, sicheren Zugriff auf Unternehmensdaten ermöglichen. Doch hier zeigt sich: Viele SAP-Anwender wünschen sich noch mehr Klarheit darüber, welchen konkreten Nutzen sie erwarten können, wie die Architektur aufgebaut ist und wie sich bestehende Systeme integrieren lassen.
Die Cloud gewinnt – aber nicht ohne On-Premises
Der internationale Vergleich unterstreicht, dass die Cloud-Nutzung stetig steigt. Gleichzeitig bestätigen die Ergebnisse, dass sich hybride IT-Landschaften als pragmatischer Weg durchsetzen – besonders im DACH-Raum. Während die Cloud langfristig strategisch gesetzt ist, bleibt der Übergang ein vielschichtiger Transformationsprozess, der technisches Know-how, klare Roadmaps und Vertrauen in neue Services erfordert.
Auswirkungen der geänderten SAP-Lizenzmodelle auf die Cloud-Pläne
10 Prozent der DSAG-Mitglieder (ASUG: 21 Prozent, UKISUG: 15 Prozent, JSUG: 24 Prozent) sind der Meinung, dass die RISE- und GROW-Journeys ihren Schritt in die Cloud grundsätzlich beschleunigen werden. Durch das aktualisierte RISE- und GROW-Angebot planen 15 Prozent (ASUG: 22 Prozent, UKISUG: 10 Prozent, JSUG: 28 Prozent) schneller in die Cloud zu wechseln. Die neu strukturierten Cloud-Angebote sollen die Kunden dabei unterstützen, schrittweise ihre Landschaften zu modernisieren. Auch wenn diese Ankündigungen bereits erste Anreize auf dem Weg in die Cloud schaffen, so braucht es noch mehr Initiativen, um den Weg in die Cloud zu beschleunigen. Viele Unternehmen betreiben mit S/4HANA On-Premises noch hochindividualisierte Systeme. „Damit sich mehr Kunden aktiv in Richtung Cloud bewegen, muss SAP attraktive Wege zu einer modularen Clean-Core-Landschaft aufzeigen“, so Hungershausen.
Hybride Systemlandschaften auf Platz eins
Befragt nach den aktuell eingesetzten Systemlandschaften, sind 78 Prozent der DSAG-Mitglieder mit hybriden On-Premises- und Cloud-Lösungen unterwegs (ASUG: 49 Prozent, UKISUG: 56 Prozent, JSUG: 55 Prozent). Allein auf die Private Cloud setzen 7 Prozent (ASUG: 23 Prozent, UKISUG: 14 Prozent, JSUG: 10 Prozent). Die Public Cloud ist bei einem Prozent der DSAG-Mitglieder Favorit (ASUG/JSUG: 4 Prozent, UKISUG: 8 Prozent), den Mix aus Private Cloud und Public Cloud bevorzugen 7 Prozent (ASUG: 24 Prozent, UKISUG: 17 Prozent, JSUG: 27 Prozent).
„Die Zurückhaltung der Unternehmen bei der Public Cloud liegt u.a. an der Komplexität bestehender Kundenlandschaften, der Befürchtung, Systemanpassungen und eingespielte Funktionen zu verlieren und nicht zuletzt auch an den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, wodurch einige am Return on Investment zweifeln. Und schließlich spielt auch die potenzielle Abhängigkeit von einem Anbieter eine wichtige Rolle bei den Überlegungen“, fasst Hungershausen zusammen. Möglicherweise von einem Anbieter abhängig zu sein, besorgt knapp die Hälfte (49 Prozent) der DSAG-Mitglieder (ASUG: 21 Prozent, UKISUG: 33 Prozent, JSUG: 29 Prozent). Hinzu kommen Bedenken hinsichtlich des fehlenden internen Know-hows oder der Cloud-Readiness bei 27 Prozent der DSAG-Mitglieder (ASUG: 18 Prozent, UKISUG: 22 Prozent, JSUG: 27 Prozent).
Kulturelle und strukturelle Gründe
S/4HANA On-Premises ist bei 55 Prozent der DSAG-Mitglieder im Einsatz (ASUG: 28 Prozent, UKISUG: 23 Prozent, JSUG: 18 Prozent). Auch was die Planung des S/4HANA-Einsatzes angeht, liegt On-Premises mit 31 Prozent vorn (ASUG: 15 Prozent, UKISUG: 10 Prozent, JSUG: 6 Prozent). S/4HANA als Private Cloud Edition nutzen 18 Prozent der Befragten (ASUG: 33 Prozent, UKISUG: 18 Prozent, JSUG: 44 Prozent). Der Public-Cloud-Einsatz ist vergleichsweise gering vertreten, nur 4 Prozent der hier befragten DSAG-Mitglieder nutzen bislang diese Option (ASUG: 10 Prozent, UKISUG: 10 Prozent, JSUG: 13 Prozent). Geplant ist der Private-Cloud-Einsatz bei 35 Prozent (ASUG: 50 Prozent, UKISUG: 35 Prozent, JSUG: 28 Prozent). Mit der Public Cloud planen 7 Prozent der DSAG (ASUG: 11 Prozent, UKISUG: 10 Prozent, JSUG: 16 Prozent).
Die Zurückhaltung der DACH-Unternehmen beim Thema Cloud ist nach wie vor eher kultureller und struktureller als technischer Natur. Das ausgeprägte Datenschutzbedürfnis in DACH und damit verbunden Bedenken aufgrund möglicher Zugriffe z. B. auf Daten, die bei US-amerikanischen Hyperscalern lagern, spielen bei den Überlegungen sicher eine Rolle. In Zahlen liest sich das laut Umfrage wie folgt: 45 Prozent der DSAG-Mitglieder (ASUG: 52 Prozent, UKISUG: 47 Prozent und JSUG: 31 Prozent) haben beim Betrieb von zentralen SAP-Workloads und -Anwendungen in der Public Cloud Sicherheits- und Datenschutz-Bedenken. Einen Verlust von Systemanpassungen und Funktionen fürchten 63 Prozent in DACH (ASUG: 36 Prozent, UKISUG: 58 Prozent, JSUG: 49 Prozent).
Flexiblere Bereitstellungsmodelle
Die Umfrage hat gezeigt, dass sich 43 Prozent der DSAG-Mitglieder (ASUG: 32 Prozent, UKISUG: 36 Prozent, JSUG: 37 Prozent) mehr Flexibilität bei der Wahl der Bereitstellungsmodelle, also Private Cloud, Public Cloud oder On-Premises wünschen. Dieses Ergebnis spiegelt die Forderung der DSAG wider nach einem offenen, standardisierten und flexiblen Betriebsmodell für die Public und Private Cloud. „Die Kunden benötigen echte Wahlfreiheit und müssen selbst entscheiden können, ob sie ihre Systeme On-Premises, in der Private Cloud oder der Public Cloud betreiben wollen. SAP muss dafür die Voraussetzungen schaffen, mit transparenten und skalierbaren Lizenz- und Kostenmodellen sowie klaren Migrationspfaden”, betont Hungershausen eine zentrale DSAG-Forderung vom DSAG-Jahreskongress 2025.
Informationen zu Roadmap und Support gewünscht
Sehr vertraut oder vertraut mit der neu gestalteten Business Suite sind 33 Prozent (ASUG: 22 Prozent, UKISUG: 27 Prozent, JSUG: 18 Prozent) der Umfrageteilnehmenden. Als einigermaßen vertraut sehen sich 31 Prozent der DSAG-Mitglieder (ASUG: 28 Prozent, UKISUG: 37 Prozent, JSUG: 29 Prozent). Wenig und überhaupt nicht vertraut sind 35 Prozent der DSAG-Befragten (ASUG: 51 Prozent, UKISUG: 36 Prozent, JSUG: 53 Prozent). Konkret fehlen für 49 Prozent (ASUG: 40 Prozent, UKISUG: 54 Prozent, JSUG: 35 Prozent) Informationen zur langfristigen Roadmap und den Support-Zeitachsen.
„Dass im Falle der neuen Business Suite gut zwei Drittel der Befragten mit der Lösung zumindest etwas vertraut sind, ist ein gutes Zeichen, dass unser Appell nicht ungehört geblieben ist. Zu den Roadmaps und Support-Zeitachsen besteht zwar Informationsbedarf, aber es geht in die richtige Richtung. Damit das so bleibt, stehen wir als Anwenderverband in stetigem Austausch mit den SAP-Verantwortlichen. Wir sehen es aber auch als unsere Verantwortung, als DSAG selbst dafür zu sorgen, dass die notwendigen Informationen unsere Mitgliedsunternehmen schnell und zuverlässig erreichen“, fasst Hungershausen zusammen.
Lizenz- und Preismodelle besser kommunizieren
Weitere Kommunikationsbemühungen braucht es auch bezüglich der Lizenz- und Preismodelle der Business Suite. Wissenslücken in diesem Bereich bemängeln 70 Prozent der DSAG-Mitglieder (ASUG: 39 Prozent, UKISUG: 61 Prozent und JSUG: 68 Prozent.) „Auch wenn die ‘neue Business Suite’ verhältnismäßig kurz am Markt ist, ist das für die DACH-Region ein hoher Wert. Da müssen wir als DSAG gemeinsam mit SAP noch deutlich bessere Aufklärungsarbeit leisten”, erklärt Hungershausen.
Wissenslücken bei der Business Data Cloud
Befragt nach ihrem Wissen über die Business Data Cloud, gaben 15 Prozent an, sehr vertraut und vertraut zu sein (ASUG: 17 Prozent, UKISUG: 19 Prozent, JSUG: 11 Prozent). Einigermaßen und leicht vertraut sind 52 Prozent (ASUG: 61 Prozent, UKISUG: 53 Prozent, JSUG: 66 Prozent). Gar nicht vertraut sind 31 Prozent (ASUG: 22 Prozent, UKISUG: 30 Prozent, JSUG: 22 Prozent). Bei den Wissenslücken über die Business Data Cloud belegen die ersten drei Plätze die Integrationsfähigkeit, die Lizenz- und Preismodelle sowie die Unterschiede zu früheren SAP-Datenlösungen. „Viele Unternehmen haben noch zu wenig Orientierung bei der Business Data Cloud. Darum erwarten wir von SAP mehr Transparenz”, so Hungershausen.
Keine Abhängigkeit von kommerziellen Konstrukten
Das heißt konkret: Die Business Data Cloud muss verständlich, zugänglich und offen gestaltet sein, damit alle Kunden, sowohl in der Cloud als auch On-Premises, profitieren können. „Es darf keine Abhängigkeit von einzelnen kommerziellen Konstrukten geben und es braucht noch eine klarere Kommunikation und mehr Informationen von SAP über Voraussetzungen und konkreten Nutzen der Lösung. Nur so kann die Business Data Cloud zu einem echten Mehrwert für die gesamte SAP-Kundenbasis werden”, fasst Hungershausen zusammen.
Fazit
Die SAP-Cloud-Lösungen sind weiter auf dem Vormarsch. Auch das seit einiger Zeit prognostizierte Nebeneinander von On-Premises- und Cloud-Lösungen hat die Umfrage bestätigt: Viele Unternehmen setzen auf hybride Szenarien oder planen dies – und das wird auch bis auf Weiteres so bleiben. Dennoch ist hervorzuheben, dass bei der S/4HANA-Private-Cloud-Edition aktuell doppelt so viele Projekte geplant werden, wie bereits umgesetzt wurden. Der Weg ist also vorgezeichnet. Inwieweit das auch für die neue Business Suite und die Business Data Cloud gilt, ist abzuwarten. Hier braucht es noch mehr Know-how-Aufbau und verlässliche Informationen zu Roadmaps und Support.
Erhebungsgrundlage
Die Online-Umfrage wurde im Juli und August 2025 unter den SAP-Anwendergruppen aus DACH, USA, Großbritannien, Japan und Australien durchgeführt. Aus der DACH-Region wurden 274 Teilnehmende registriert. 80 Prozent davon, haben ihren Hauptsitz in Deutschland. Die Top-fünf-Plätze der vertretenen Branchen bilden der Maschinen-, Geräte- und Komponentenbaut, gefolgt von der Versorgungswirtschaft und dem Öffentlichen Sektor. Auf Rang vier folgen die Professionellen Dienstleistungen vor den Finanzdienstleistungen.
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