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Chinas militärische Tech-Messe CMITE: KI, Überwachung und kognitive Kriegsführung im Fokus

23. Februar 2026

Zum elften Mal findet in Peking die China Beijing Military Intelligent Technology Expo (CMITE) statt – eine Fachmesse, auf der sich Chinas militärisch-ziviler Technologiesektor seinen wichtigsten Abnehmern präsentiert. Die diesjährige Ausgabe gibt Einblick in den Stand der digitalen Rüstungsindustrie des Landes.

Die CMITE gilt als zentrale Plattform für den Austausch zwischen privaten Technologieunternehmen und staatlichen Sicherheitsorganisationen in China. Hunderte Anbieter stellen ihre Produkte vor – von ausgereiften Systemlösungen bis hin zu experimentellen Ansätzen. Dass Vertreter der Volksbefreiungsarmee (PLA), der Luftwaffe (PLAAF) und der Marine (PLAN) als potenzielle Auftraggeber anwesend sind, verleiht der Veranstaltung besonderes Gewicht. Einen lesenswerten Überblick über die Aussteller und deren Produktpalette liefert der Analyst NetAskari in einem aktuellen Beitrag auf seinem Substack-Kanal, auf den sich auch die folgende Einordnung stützt.

Bemerkenswert ist die Selbstwahrnehmung der ausstellenden Unternehmen: Das Cybersicherheitsunternehmen Antyi zitiert in seinen Unterlagen Präsident Xi Jinping mit dem Satz, dass auch private Firmen Teil des „nationalen Teams“ seien – ein Begriff, der üblicherweise staatlichen Unternehmen vorbehalten ist. Dies verdeutlicht, wie eng private Akteure in Chinas Rüstungsplanung eingebunden sind.

KI als allgegenwärtiges Leitmotiv

Künstliche Intelligenz zieht sich als Thema durch nahezu alle Produktpräsentationen. Das Pekinger Unternehmen Qiantu Technology etwa bietet eine KI-gestützte Kriegsspielsimulation an, die auf historischen Kampfdaten und Szenarien basiert. Ziel ist die Unterstützung bei der operativen Planung und taktischen Ausbildung – ein Ansatz, der laut Beobachtern auch als Ausgleich für fehlende reale Kampferfahrungen der PLA gesehen werden kann.

Mehrere weitere Anbieter positionieren sich ähnlich und kombinieren Szenarioanalyse, natürliche Sprachverarbeitung und KI-Animationstechnologie zu immersiven Trainingssystemen.

OSINT und globale Datenanalyse

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der systematischen Auswertung öffentlich zugänglicher Informationen aus dem Internet. Das 2002 gegründete Unternehmen Beijing Daoda Tianji Technology präsentiert eine Big-Data-Plattform, die weltweit Daten sammelt, kategorisiert und für Analysten aufbereitet. Die eingesetzte Technologie ähnelt strukturell Angeboten westlicher Anbieter im Bereich der Nachrichtendienstunterstützung.

Das Unternehmen Mizarvision geht noch einen Schritt weiter: Sein Produkt SPARK aggregiert Echtzeit-Daten aus unterschiedlichen Quellen – darunter Satellitenbilder mittlerer und hoher Auflösung, ADS-B- und AIS-Signale sowie weitere Sensordaten – um militärische Ressourcen weltweit zu verfolgen. Das System richtet sich ausdrücklich an die Bereiche Verteidigung, Energie und Finanzen.

Soldaten unter Beobachtung

Dass die Führung der PLA den Umgang ihrer Angehörigen mit sozialen Medien und Smartphones als Sicherheitsrisiko bewertet, spiegelt sich in mehreren Ausstellerangeboten wider. Das Pekinger Unternehmen Zhongke Jinlian vermarktet ein System zur kontaktlosen Verhaltens- und Stimmungsanalyse von Soldaten – basierend auf Überwachungskamera-Aufnahmen und Online-Aktivitäten. Ein weiterer Anbieter, Zhizhangyi, bietet direkten Zugriff auf digitale Endgeräte von PLA-Mitgliedern an.

Ob derartige Systeme in der Praxis die versprochene Wirkung erzielen, bleibt offen. Die Nachfrage nach solchen Lösungen deutet jedoch auf ein strukturelles Misstrauen der Militärführung gegenüber dem eigenen Personal hin.

Chinas Antwort auf Palantir

Unter den Ausstellern findet sich auch Zhongke Shitong Hengqi Technology, das unter dem Namen „Stonehenge“ auftritt und enge Verbindungen zur Chinesischen Akademie der Wissenschaften für sich beansprucht. Das Unternehmen positioniert seine Entscheidungsunterstützungsplattform „Lingjing Tiangong“ explizit als chinesisches Gegenstück zu Palantir Foundry und AIP. Laut eigenen Angaben hat das System bereits umfangreiche Datensätze zu militärisch relevanten Schlüsselregionen aufgebaut – rund 1.000 Terabyte in neun Kategorien.

GoLaxy und kognitive Einflussnahme

Besondere Aufmerksamkeit verdient die erneute Präsenz von GoLaxy (Zhongke Tianji Data Technology). Das Unternehmen war Ende 2024 durch geleakte interne Dokumente bekannt geworden, die ein System zur Beeinflussung sozialer Medien beschrieben – darunter der Aufbau von KI-gestützten Fake-Accounts und die Imitation realer Persönlichkeiten aus US-Politik und Medien, realisiert mit Hilfe von DeepSeek.

Auf der CMITE präsentiert sich GoLaxy nun mit einem auf Big-Data-Analyse und globale Meinungsbeobachtung ausgerichteten Kernprodukt. Die Marketingmaterialien verweisen direkt auf Anwendungen im Bereich nationaler Sicherheit: Echtzeit-Überwachung sozialer Medien, Identifikation sensibler Themen und Frühwarnungen zu geopolitischen Entwicklungen. Konkrete Werkzeuge für verdeckte Einflussnahme tauchen in den öffentlich zugänglichen Unterlagen erwartungsgemäß nicht auf.

Fazit

Die CMITE dokumentiert den Stand eines Ökosystems, in dem private Technologieunternehmen eng mit staatlichen Sicherheitsbehörden verflochten sind. Die Schwerpunkte liegen auf KI-gestützter Entscheidungsunterstützung, globaler Datenerfassung via OSINT und der Überwachung des eigenen Personals. Auffällig ist dabei die vergleichsweise geringe Präsenz klassischer Cybersicherheitsanbieter – wenngleich die öffentlich einsehbare Ausstellerliste möglicherweise unvollständig ist.

Mit wachsendem internationalem Einfluss Chinas – insbesondere entlang der Neuen Seidenstraße – könnte ein Teil der hier gezeigten Technologien künftig auch außerhalb des chinesischen Marktes an Bedeutung gewinnen.

„Die in diesem Beitrag bereitgestellten Informationen wurden sorgfältig recherchiert, erheben jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder absolute Richtigkeit. Sie dienen ausschließlich der allgemeinen Orientierung und ersetzen keine professionelle Beratung. Die Redaktion übernimmt keine Haftung für eventuelle Fehler, Auslassungen oder Folgen, die aus der Nutzung der Informationen entstehen.“

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