
China hat den US-Halbleiterkonzern Nvidia wegen eines Deals aus dem Jahr 2020 ins Visier genommen. Wie zuerst von Bloomberg berichtet, erklärte die staatliche Marktregulierungsbehörde nach einer Voruntersuchung, Nvidia habe beim Erwerb des Netzwerkausrüsters Mellanox Technologies Ltd. gegen das chinesische Kartellrecht verstoßen. Weitere Maßnahmen wurden zunächst nicht bekanntgegeben, die Behörde kündigte jedoch an, das Unternehmen weiterhin zu prüfen.
Die Entscheidung fiel am Montag, mitten in sensiblen Handelsgesprächen zwischen Washington und Peking in Madrid. Die chinesische Kartellbehörde belastet damit die Verhandlungen, die unter anderem Zölle und Handelsfragen zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt behandeln. Gleichzeitig kündigte China eine Antidumping-Untersuchung gegen bestimmte Halbleiter an, die unter anderem von US-Unternehmen wie Texas Instruments hergestellt werden.
Die Ankündigung hatte unmittelbare Auswirkungen auf die Börsen: Nvidias Aktie verlor im New Yorker Handel zunächst fast zwei Prozent, konnte den größten Teil der Verluste jedoch wieder ausgleichen. Die Papiere von Texas Instruments gaben um knapp drei Prozent nach.
Nvidia betonte in einer Stellungnahme, das Unternehmen halte sich „in jeder Hinsicht“ an geltendes Recht und werde weiterhin mit allen zuständigen Behörden kooperieren. „Wir arbeiten mit den Regierungsstellen zusammen, während diese die Auswirkungen der Exportkontrollen auf den Wettbewerb in den kommerziellen Märkten bewerten“, hieß es.
Der Schritt Pekings erfolgt vor dem Hintergrund laufender Gespräche zwischen den Regierungen beider Länder. US-Präsident Donald Trump kündigte an, am Freitag nach den Verhandlungen auf niedrigerer Ebene mit Chinas Staatschef Xi Jinping zu sprechen. Finanzminister Scott Bessent erklärte, beide Seiten hätten über den ungünstigen Zeitpunkt der Nvidia-Untersuchung diskutiert, sich aber gleichzeitig auf ein Rahmenwerk geeinigt, das die Nutzung der TikTok-App in den USA regelt.
Nvidia spielt eine zentrale Rolle in der Technologiepolitik, insbesondere im Bereich Künstliche Intelligenz (KI). Das Unternehmen liefert Chips, die für KI-Dienste bei Firmen wie Meta Platforms und DeepSeek unverzichtbar sind. Peking hatte die Mellanox-Übernahme 2020 unter der Auflage genehmigt, dass Nvidia chinesische Unternehmen nicht diskriminiere. Die US-Regierung hatte anschließend den Verkauf fortschrittlicher KI-Chips an China aufgrund nationaler Sicherheitsbedenken eingeschränkt. Nvidia passte seine Chips mehrfach an, um den US-Vorschriften zu entsprechen.
Die neue Entscheidung der chinesischen Regulierungsbehörde kommt wenige Wochen, nachdem Washington den Verkauf bestimmter KI-Chips an chinesische Unternehmen wieder erlaubt hatte. Dennoch drängt Peking lokale Firmen dazu, den Nvidia-Beschleuniger H200 aus Sicherheitsgründen zu meiden. Die Auswirkungen auf die laufenden Madrid-Verhandlungen sind noch unklar. Die Gespräche am ersten Tag dauerten fast sechs Stunden und behandelten Themen von TikTok über den Handel bis hin zur globalen Wirtschaft.
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