
In Zeiten zunehmender geopolitischer Spannungen wird die Gewährleistung der Sicherheit und Beständigkeit digitaler Infrastrukturen zu einem zentralen Baustein der Daseinsvorsorge. Mit einer gemeinsamen Initiative rücken das Zentrum für Digitale Souveränität der Öffentlichen Verwaltung (ZenDiS) und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) nun die Bedeutung sicherer und souveräner Softwarelieferketten weiter in den Fokus.
Nahezu jede Software greift heute auf hunderte oder gar tausende bestehende Einzelkomponenten, Bibliotheken und Tools zurück. Die Gesamtheit dieser Komponenten bildet die Softwarelieferkette. Wird ein Teil dieser Kette kompromittiert oder fällt weg, entstehen erhebliche Risiken für alle Nutzenden.
Komplexe Softwarelieferketten brauchen neue, standardisierte Prüfverfahren
Eine vollständige Prüfung von Softwarelieferketten ist bislang angesichts ihrer Komplexität für einzelne Softwareanbieter kaum realisierbar. Dies erfordert einen grundlegend neuen Ansatz, der über die Möglichkeiten einzelner Organisationen hinausgeht und die Fachkenntnisse von Sicherheitsexpert:innen, Entwickler:innen und Behörden gezielt bündelt, standardisierte Prüfverfahren etabliert und gemeinsame Sicherheitsanalysen ermöglicht.
openCode als Kernbaustein für eine sichere digitale Infrastruktur
Zentraler Baustein ist die Plattform openCode. Sie etabliert verbindliche Sicherheitsstandards, macht Abhängigkeiten transparent und schafft nachvollziehbare Herkunftsnachweise für kritische Softwarekomponenten. Dank der Transparenz von Open-Source können so viele der bisherigen, manuellen Prüfprozesse automatisiert und damit die Skalierbarkeit von Sicherheitsüberprüfungen der Softwarelieferkette erheblich verbessert werden.
Mit seinem jüngst gelaunchten Badge-Programm zeigt das ZenDiS konkret, wie eine solche Prüfung realisiert werden kann. Dort werden Qualitätsmerkmale von auf openCode liegender Software – beispielsweise zu Wartung und Nachnutzung – automatisch aus dem Code abgeleitet.
Paradigmenwechsel von Reaktion zu Prävention
Derzeitige Ansätze zur Softwaresicherheit sind weitgehend reaktiv. openCode kann einen präventiven Ansatz durch kontinuierliche, automatisierte Sicherheitsprüfungen und transparente Softwarelieferketten ermöglichen: Bei einem Sicherheitsvorfall können Artefakte und Betroffene zuverlässig identifiziert und Echtzeitlagebilder erstellt werden, sodass gezielt gewarnt werden kann. So wird openCode zu einem Schlüsselelement einer resilienten digitalen Infrastruktur in Deutschland.
Claudia Plattner, Präsidentin des BSI, betont die Bedeutung der Zusammenarbeit: „Sichere Softwarelieferketten sind ein entscheidender Faktor für eine funktionierende Digitalisierung. Sie machen Abhängigkeiten deutlich und damit beherrschbar. Wir schaffen hier außerdem ein Angebot, dass uns dringend benötigte Skalierbarkeit ermöglicht, um Cybersicherheit wirkungsvoll umzusetzen. Entscheidend dafür ist das gelungene Zusammenspiel vieler Akteure, so wie wir es uns für die Cybernation Deutschland wünschen.“
Leonhard Kugler, Leiter Open-Source-Plattform beim ZenDiS, bekräftigt die strategische Bedeutung: „Die Entwicklung einer souveränen digitalen Infrastruktur ist für unsere Daseinsvorsorge im 21. Jahrhundert unverzichtbar. Mit openCode setzen wir einen wesentlichen Baustein, um die Sicherheit unserer Softwarelieferketten zu stärken und so die digitale Handlungsfähigkeit des Staates auch in einer komplexen geopolitischen Landschaft zu bewahren.“
Strategiepapier lädt zu Beteiligung ein
Ihr Konzept für eine sichere und souveräne Softwarelieferkette haben das BSI und das ZenDiS in einem gemeinsamen Strategiepapier inklusive Umsetzungsplan dargelegt. Das Papier steht auf den Webseiten des ZenDiS sowie des BSI zum Download zur Verfügung: https://www.bsi.bund.de/SharedDocs/Downloads/DE/BSI/ZenDiS/Strategiepapier-Softwarelieferketten.pdf?__blob=publicationFile&v=2
Rückmeldungen aus der Fachöffentlichkeit sind ausdrücklich erwünscht. Kontaktmöglichkeiten gibt es auf https://opencode.de.
Bild/Quelle: https://depositphotos.com/de/home.html
Fachartikel

Wenn Angreifer selbst zum Ziel werden: Wie Forscher eine Infostealer-Infrastruktur kompromittierten

Mehr Gesetze, mehr Druck: Was bei NIS2, CRA, DORA & Co. am Ende zählt

WinDbg-UI blockiert beim Kopieren: Ursachenforschung führt zu Zwischenablage-Deadlock in virtuellen Umgebungen

RISE with SAP: Wie Sicherheitsmaßnahmen den Return on Investment sichern

Jailbreaking: Die unterschätzte Sicherheitslücke moderner KI-Systeme
Studien

Deutsche Unicorn-Gründer bevorzugen zunehmend den Standort Deutschland

IT-Modernisierung entscheidet über KI-Erfolg und Cybersicherheit

Neue ISACA-Studie: Datenschutzbudgets werden trotz steigender Risiken voraussichtlich schrumpfen

Cybersecurity-Jahresrückblick: Wie KI-Agenten und OAuth-Lücken die Bedrohungslandschaft 2025 veränderten
![Featured image for “Phishing-Studie deckt auf: [EXTERN]-Markierung schützt Klinikpersonal kaum”](https://www.all-about-security.de/wp-content/uploads/2025/12/phishing-4.jpg)
Phishing-Studie deckt auf: [EXTERN]-Markierung schützt Klinikpersonal kaum
Whitepaper

ETSI veröffentlicht weltweit führenden Standard für die Sicherung von KI

Allianz Risk Barometer 2026: Cyberrisiken führen das Ranking an, KI rückt auf Platz zwei vor

Cybersecurity-Jahresrückblick: Wie KI-Agenten und OAuth-Lücken die Bedrohungslandschaft 2025 veränderten

NIS2-Richtlinie im Gesundheitswesen: Praxisleitfaden für die Geschäftsführung

Datenschutzkonformer KI-Einsatz in Bundesbehörden: Neue Handreichung gibt Orientierung
Hamsterrad-Rebell

Cyberversicherung ohne Datenbasis? Warum CIOs und CISOs jetzt auf quantifizierbare Risikomodelle setzen müssen

Identity Security Posture Management (ISPM): Rettung oder Hype?

Platform Security: Warum ERP-Systeme besondere Sicherheitsmaßnahmen erfordern

Daten in eigener Hand: Europas Souveränität im Fokus






