
Mit der App „Beam“ schafft Belgien eine eigene, staatlich kontrollierte Kommunikationsplattform für rund 750.000 Beschäftigte im öffentlichen Dienst, wie De Morgen berichtet. Kommerzielle Dienste wie WhatsApp sollen damit aus der Behördenkommunikation verschwinden.
Das staatliche Unternehmen Belgian Secure Communications (BSC) hat die Anwendung „Beam“ entwickelt – eine verschlüsselte Messaging-Plattform, die speziell für den belgischen öffentlichen Dienst konzipiert wurde. Das lange Zeit nicht öffentlich bekannte Projekt soll schrittweise alle Bundesbehörden sowie Regionen und Gemeinschaften erfassen.
Wer nutzt Beam – und seit wann?
Der Rollout erfolgt gestaffelt:
- Soldaten und Mitarbeitende der Nachrichtendienste erhalten seit der vergangenen Woche Zugang
- Weitere Bundesbehörden folgen in den kommenden Wochen
- Langfristig sollen alle rund 750.000 Beamten – einschließlich derer auf Regions- und Gemeindeebene – die App für die berufliche Kommunikation nutzen
BSC-Direktor Brandon De Waele bestätigt den laufenden Betrieb beim Verteidigungsministerium, den Geheimdiensten und verschiedenen föderalen Behörden. Entwickelt wurde die App mit eigenem Personal und ohne zusätzliche Budgetmittel.
Warum kein WhatsApp mehr?
Der Wechsel hat konkrete Hintergründe. Kommerzielle Messaging-Apps weisen strukturelle Schwachstellen auf, die im Behördenkontext nicht akzeptabel sind:
- Ausländische Regierungen – darunter die USA – können unter bestimmten rechtlichen Voraussetzungen auf Kommunikationsdaten zugreifen
- Spezialisierte Spionagesoftware kann gängige Messaging-Apps angreifen
- Belgien gilt laut internen Quellen als attraktives Ziel für ausländische Nachrichtendienste
Wie sicher ist Beam?
Die App wurde nach Angaben der Zeitung Het Nieuwsblad intensiv von ethischen Hackern und auf Sicherheit spezialisierten Firmen getestet – ohne Erfolg beim Versuch, das System zu kompromittieren. Zu den zentralen Sicherheitsmerkmalen zählen:
- Geschlossene Plattform: Zugang nur mit gültiger behördlicher E-Mail-Adresse – das reduziert das Phishing-Risiko erheblich
- Datenspeicherung ausschließlich in belgischen Rechenzentren, deren genaue Standorte nicht öffentlich gemacht werden
- Die belgische Regierung behält damit direkte Kontrolle über ihre Kommunikationsdaten
Wer steckt hinter der Entwicklung?
BSC ist ein wenig bekanntes staatliches Unternehmen mit schätzungsweise einigen Dutzend bis rund hundert Mitarbeitenden. Das Unternehmen operiert diskret: Laut Het Nieuwsblad tragen alle Beschäftigten Decknamen, um sich vor Spionage zu schützen. Selbst Angehörige sollen über die genauen Tätigkeiten nur grob informiert sein.
Bekannt geworden ist BSC bislang vor allem durch die Entwicklung hochgesicherter Mobiltelefone für Spitzenpolitiker und Sicherheitsverantwortliche – darunter den Premierminister und mehrere Minister. Rund 350 Personen verfügen derzeit über solche Geräte.
Belgien reiht sich in europäischen Trend ein
Mit der Einführung von Beam gehört Belgien zu einer kleinen Gruppe europäischer Länder, die auf eine eigenständige, staatlich kontrollierte Kommunikationslösung setzen. Das Konzept der sogenannten „digitalen Souveränität“ gewinnt in der europäischen Sicherheits- und Verwaltungspolitik zunehmend an Bedeutung.
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