
Der Einsatz von KI-Agenten in Unternehmen wächst schneller als die Sicherheitsvorkehrungen, warnt eine aktuelle Studie von SailPoint. Demnach sehen 96 Prozent der Technikexperten in KI-Agenten ein wachsendes Risiko für sensible Unternehmensdaten – trotzdem planen 98 Prozent der Firmen, ihre Nutzung weiter auszubauen.
„Die fehlende Transparenz und Kontrolle über KI-Agenten macht Unternehmen besonders verwundbar“, heißt es in der Studie. KI-Agenten gelten demnach als noch riskanter als herkömmliche maschinelle Identitäten.
Experten empfehlen daher, KI-Agenten ähnlich wie menschliche Mitarbeiter zu verwalten – mit klar definierten Zugriffsrechten und eindeutigen Verantwortlichkeiten.
SailPoint Technologies hat einen neuen Forschungsbericht mit dem Titel „KI-Agenten: Die neue Angriffsfläche“ veröffentlicht. Grundlage ist eine weltweite Umfrage unter Sicherheits- und IT-Fachleuten sowie Führungskräften. Die Ergebnisse zeigen: Obwohl KI-Agenten bereits weit verbreitet sind, sind viele Unternehmen nicht ausreichend auf deren Absicherung vorbereitet.
Obwohl 98 Prozent der Unternehmen planen, KI-Agenten innerhalb des nächsten Jahres verstärkt einzusetzen, halten 96 Prozent der Technologieexperten sie für ein zunehmendes Risiko. KI-Agenten haben heute bereits Zugriff eine Vielzahl hochsensibler Daten darunter Kundeninformationen, Finanzdaten, geistiges Eigentum, juristische Dokumente, und Transaktionen in der Lieferkette. Dennoch geben nur 54 Prozent der Befragten an, vollständige Transparenz darüber zu haben, auf welche Daten ihre KI-Agenten zugreifen.
Die Befragten äußerten große Bedenken hinsichtlich der Kontrolle darüber, auf welche Daten, KI-Agenten zugreifen und welche sie weitergeben können. 92 Prozent sind der Meinung, dass die Kontrolle von KI-Agenten entscheidend für die Sicherheit des Unternehmens ist, doch nur 44 Prozent haben entsprechende Richtlinien implementiert. Alarmierend: 23 Prozent der Befragten berichteten, dass ihre KI-Agenten dazu gebracht wurden, Zugangsdaten preiszugeben. Zudem gaben 80 Prozent an, dass ihre KI-Agenten unbeabsichtigte Aktionen ausgeführt haben, darunter:
- Zugriff auf nicht autorisierte Systeme oder Ressourcen (39 Prozent)
- Zugriff auf oder Weitergabe von sensiblen bzw. ungeeigneten Daten (31 Prozent bzw. 33 Prozent)
- Herunterladen sensibler Inhalte (32 Prozent)
Im weitesten Sinne umfassen die Begriffe „KI-Agent“ oder „agentenbasierte KI“ autonome Systeme, die wahrnehmen, Entscheidungen treffen und Maßnahmen ergreifen, um bestimmte Ziele in einer definierten Umgebung zu erreichen. Bemerkenswert ist, dass 72 Prozent der Befragten KI-Agenten als größeres Risiko einstufen als Maschinenidentitäten – unter anderem, weil 64 Prozent angaben, dass KI-Agenten häufig mehrere Maschinenidentitäten benötigen, um auf die für ihre Aufgaben notwendigen Daten, Anwendungen und Dienste zuzugreifen. Ihr Bedarf an schnellem Datenzugriff erfordert einen effizienten Genehmigungsprozess. Dieser ist zwar wichtig für die Funktionalität ist, stellt aber auch eine zusätzliche Risikostelle dar.
Da KI-Agenten tief in verschiedene Systeme und Identitätstypen eingebettet sind, ist für ihre sichere Verwaltung ein einheitlicher, identitätszentrierter Ansatz erforderlich. Viele Unternehmen stehen noch am Anfang dieses Prozesses. Wachsenden Bedenken hinsichtlich der Datenkontrolle verdeutlichen die Notwendigkeit umfassenderer Strategien zur Identitätssicherheit.
Da fast alle Unternehmen (98 Prozent) planen, ihre Nutzung von agentenbasierter KI im kommenden Jahr auszuweiten, sind spezielle Lösungen für die Identitätssicherheit unerlässlich. Diese Kontrollmechanismen müssen den Zugriff auf sensible Daten beschränken, Nachvollziehbarkeit gewährleisten und Transparenz schaffen – so unterstützen sie Unternehmen dabei, die Sicherheit zu erhöhen und die gesetzlichen Anforderungen zu erfüllen. Angesichts der Häufung von Datenschutzverletzungen verschärfen schlecht überwachte KI-Agenten die Bedrohungslage weiter.
Methodik
Für die Umfrage wurden IT-Fachleute befragt, die in Unternehmen für KI, Sicherheit, Identitätsmanagement, Compliance und Betrieb verantwortlich sind. Insgesamt 353 qualifizierte Teilnehmer, die von Dimensional Research, einem unabhängigen Dienstleister, ausgewählt wurden, beantworteten die Umfrage. Alle Teilnehmer waren für die Unternehmenssicherheit verantwortlich. Die Teilnehmer stammten aus fünf Kontinenten, sodass eine globale Perspektive gewährleistet war.
Lesen Sie auch
Bild/Quelle: https://depositphotos.com/de/home.html
Fachartikel

Gefährliche Chrome-Erweiterung entwendet Zugangsdaten von Meta Business-Konten

Agentenbasierte KI im Unternehmen: Wie Rollback-Mechanismen Automatisierung absichern

Google dokumentiert zunehmenden Missbrauch von KI-Systemen durch Cyberkriminelle

Sicherheitslücke in Claude Desktop Extensions gefährdet Tausende Nutzer

KI-Agenten: Dateisystem vs. Datenbank – Welche Speicherlösung passt zu Ihrem Projekt?
Studien

Deutsche Wirtschaft unzureichend auf hybride Bedrohungen vorbereitet

Cyberkriminalität im Dark Web: Wie KI-Systeme Betrüger ausbremsen

Sicherheitsstudie 2026: Menschliche Faktoren übertreffen KI-Risiken

Studie: Unternehmen müssen ihre DNS- und IP-Management-Strukturen für das KI-Zeitalter neu denken

Deutsche Unicorn-Gründer bevorzugen zunehmend den Standort Deutschland
Whitepaper

MITRE ATLAS analysiert OpenClaw: Neue Exploit-Pfade in KI-Agentensystemen

BSI setzt Auslaufdatum für klassische Verschlüsselungsverfahren

Token Exchange: Sichere Authentifizierung über Identity-Provider-Grenzen

KI-Agenten in Unternehmen: Governance-Lücken als Sicherheitsrisiko

KuppingerCole legt Forschungsagenda für IAM und Cybersecurity 2026 vor
Hamsterrad-Rebell

KI‑basierte E‑Mail‑Angriffe: Einfach gestartet, kaum zu stoppen

NIS2: „Zum Glück gezwungen“ – mit OKR-basiertem Vorgehen zum nachhaltigen Erfolg

Cyberversicherung ohne Datenbasis? Warum CIOs und CISOs jetzt auf quantifizierbare Risikomodelle setzen müssen

Identity Security Posture Management (ISPM): Rettung oder Hype?








