22.07.08

Von: Gerlinde Wolf

Datenverlust ist vermeidbar

Auf Unternehmensebene wird viel für die Datensicherheit getan und umfassende Backup- und Recovery Strategien minimieren die Risiken des Datenverlusts. Trotz allem liegen viele unternehmenswichtige Daten vorübergehend ungesichert auf Einzelrechnern.

Da diese Sicherheitslücke durch die wachsende Zahl beruflich genutzter Notebooks tendenziell größer wird, ist es wichtig, die Datenverlustrisiken durch defekte Festplatten zu kennen und zu vermeiden.


Ob Virenbefall, versehentliches Löschen, Sabotage, Hardwareversagen oder gar Brandkatastrophen – die Gefahren, Daten zu verlieren sind vielfältig. Die Erfahrung professioneller Datenrettungs- und Computerforensikdienstleister zeigt täglich, wie sorglos und naiv sich viele Anwender im Umgang mit Daten verhalten. Selbst Unternehmen, die ausgereifte Datensicherungstechniken verwenden und vorbildlich für Backup und Recovery sorgen, sind nicht vor bedrohlichen Krisen gefeit, die sich durch Datenverlust ergeben.


Abgesehen von Problemen, die in Backuproutinen entstehen können, wenn z.B. Dateien geöffnet sind und zu unvollständigen Backups führen oder Zeitfenster für die Sicherung zu kurz bemessen sind, stellt nach wie vor die Festplatte des einzelnen Arbeitplatzrechners eine Achillesferse dar. Dies umso mehr, als der Anteil von Notebooks in den Unternehmen ständig wächst. Trotz aller Datensicherung liegen gerade viele Dateien aktueller Vorgänge z.B. neue Kontaktdaten und Korrespondenz, Text- und Präsentationsentwürfe, Rechercheergebnisse oder Kalkulationen nur auf individuellen PC- und Notebookfestplatten. Hier ist der einzelne Anwender in der Verantwortung. Er sollte seine Daten sichern und auch überprüfen, ob sein Backup vollständig und intakt ist. Abgesehen vom Bewusstsein für konsequente Datensicherung sollte jeder, der mit dem PC arbeitet, wissen, wie sich das Versagen von Festplatten ankündigt. Wenn man die folgenden Praxistipps beherzigt, kann man den Datenverlust durch Festplattenfehler größtenteils vermeiden.


Schonend mit der Hardware umgehen


Die Schreib-/Leseköpfe fliegen mit Geschwindigkeiten bis zu 15.000 Umdrehungen pro Minute in einem Abstand von 25 Nanometern über die magnetischen Platten. Man sollte daher prinzipiell Erschütterungen bei laufendem Rechner vermeiden. Notebooks sind besonders anfällig im Moment des Bootens und des Herunterfahrens und sollten so lange nicht bewegt werden. Staubige Umgebung sollte genauso gemieden werden wie große Hitze, die nicht nur dem Prozessor sondern auch der Festplatte zusetzen kann. Überhitzung schädigt die Steuerelektronik der Platte und den Schutzfilm der Magnetplatten, der sich aufwirft und klebrig wird, so dass die Magnetköpfe bei leichtester Berührung hängen bleiben. Überspannung kann sowohl für die Schreib-/Leseköpfe wie auch für die Elektronik der Festplatte tödlich sein, eine USV- Anlage schützt hier genauso wie vor Datenverlust durch Stromausfall.


Warnzeichen beachten


Die Mechanik einer Festplatte ist dem Verschleiß unterworfen und die Performance nimmt im Laufe der Jahre ab - Festplatten haben statistisch eine Lebensdauer von vier bis fünf Jahren. Verlängern sich die Zugriffszeiten merklich und häufen sich Fehler, so kann das ein erstes Zeichen für Abnutzungserscheinungen oder fehlerhafte Sektoren auf der Platte sein. Moderne Festplatten bringen teils recht umfassende Selbstdiagnosemechanismen mit, bei IDE- und Serial -ATA-Platten ist dafür SMART (Self-Monitoring Analysis and Reporting Technology) standardisiert, bei SCSI-Geräten ist es PFA (Predictive Failure Analysis). Diese Mechanismen sollten im BIOS des Rechners aktiviert sein und es empfiehlt sich Programme zu verwenden, die diese Analysedaten der Festplatte auslesen und grafisch darstellen. Zumindest Schäden durch Verschleiß kündigen sich auf diese Weise an, z.B. weisen erhöhte Zugriffszeiten und steigende Temperatur auf Abnützungen im Spindelmotor hin. Ein solcher Lagerschaden führt zum Vibrieren der magnetischen Platten, damit zunächst zu Schreib-/Lesefehlern und letztlich zum "Headcrash", also zum Aufsetzen der Köpfe. Eine Warnmeldung des SMART darf auf keinen Fall einfach "weggeklickt" werden, sondern muss sehr ernst genommen werden.


“The click of death”


Ganz ruhig läuft kaum ein Laufwerk, aber jedes neue Geräusch ist alarmierend. Dabei kann es sich um schleifende, pfeifende, schurrende oder klickende Geräusche handeln. Wenn man solche wahrnimmt muss man von einem unmittelbar bevorstehenden Versagen der Festplatte ausgehen.  Eine solche Festplatte sollte sofort stillgelegt und einem Datenrettungsunternehmen übergeben werden. Jeder weitere Betrieb kann zu weitgehendem oder vollständigem Datenverlust führen.


Keine Softwarelösung für Hardwareprobleme


Datenrettungssoftware hat ihre Berechtigung, wenn es darum geht, versehentliche oder durch einen Virus gelöschte Daten wiederherzustellen. Hierbei ist zu beachten, dass nicht auf der betroffenen Festplatte weitergearbeitet wird. Die meisten Betriebssysteme schreiben ständig Daten auf die Festplatte, so dass auch ohne bewusste Speicherbefehle des Anwenders gelöschte Dateien durch Überschreiben endgültig verloren gehen. Wenn sich aber eine Festplatte nicht mehr dreht, schleift oder ein klickendes Geräusch von sich gibt, wären Rettungsversuche mit Software schädlicher Unsinn. Nur ein spezialisierter Dienstleister, der über die nötige Reinraumtechnik und das Know-how verfügt, um an der geöffneten Festplatte zu arbeiten, kann hier noch helfen.


Das Klicken einer Festplatte bedeutet immer einen Schaden der Schreib-/Leseköpfe. Es entsteht durch das wiederholte Zurückfahren der Köpfe in die Parkposition nach erfolglosem Leseversuch. Dies kann mehrere Ursachen haben: Der spektakulärste Fall ist der bereits erwähnte ”Headcrash”, d.h. die Schreib-/Leseköpfe haben die Festplatte berührt und die Oberfläche der magnetischen Scheiben zerkratzt. Eine weitere Fehlerquelle ist die Beschädigung der Schreib-/Leseköpfe durch eine Überspannung. Auch in diesem Fall muss die Platte von Spezialisten geöffnet werden. Eine dritte Möglichkeit des Versagens ist eine defekte Servospur (Spur 0). Die Servospur hat eine vergleichbare Funktion wie das BIOS des PCs. Ohne diese kann die Festplatte nicht starten und angesprochen werden.


Verhalten im Notfall


Es klingt banal, aber "Ruhe bewahren" ist der beste Rat dem man einem betroffenen Anwender geben kann. Sowohl bei Software-bedingtem als auch bei Hardware-bedingtem Datenverlust können panische Reaktionen und laienhafte Rettungsversuche den Datenverlust endgültig machen. Wenn kein Hardwarefehler vorliegt, sind einfach gelöschte Dateien noch vorhanden und können mit entsprechender Software oder zumindest durch einen professionellen Datenretter wiederhergestellt werden. Erst das physikalische Überschreiben wie es durch wiederholten Neustart passieren kann, macht die Rettung schwierig oder unmöglich. Im Falle eines Hardwarefehlers, beispielsweise wenn ein schleifendes Geräusch einen Lagerschaden des Spindelmotors anzeigt, kann nur das sofortige Stillegen des Laufwerks weitgehenden Datenverlust verhindern. Wenn erst die magnetischen Köpfe die Oberfläche abfräsen und im Laufwerksgehäuse herumfliegende Partikel weiteren Schaden anrichten, sind auch die Möglichkeiten eines Datenrettungslabors sehr eingeschränkt. Bei der Auswahl eines Dienstleisters sollte man neben Expertise und Ausstattung mit Reinraumtechnik auf faire Bedingungen wie kostenlose Analyse, aufwandsbezogene Preise und auf die tatsächlichen Erfolgsaussichten achten. Wenn man schon den Fehler begangen hat, sich nicht mit ausreichender Datensicherung vor der Katastrophe zu schützen, sollte man nicht auch noch für die Wiederherstellung wertloser Betriebssystemdateien zahlen, sondern nur für echte Datenrettung – und die ist immerhin in 85 bis 90% der Fälle möglich.


 

Gerlinde Wolf, Channelmanager bei CBL Datenrettung GmbH
http://www.cbltech.de


 

 

 

Foto: Quelle-Alexey Afanasyev/Fotolia.com

All-About-Security Artikel bookmarken
Freitag, 03. September 2010
Das unabhängige Security Portal