All About Security

Blue Coat Systems: Martin Walzer

Die Angreifer nutzen zunehmend gezielt Sicherheitslücken in Browsern oder Websites für ihre Angriffe aus

Wieso sind Phisher immer noch so erfolgreich?


"Weil sich die Angriffsart geändert hat: Phishing-Attacken laufen nicht mehr nur über E-Mail-Attachments, sondern die Angreifer nutzen zunehmend gezielt Sicherheitslücken in Browsern oder Websites für ihre Angriffe aus. Auch neue Technologien wie Mashups kommen ihnen dabei zu gute. Denn solche Web-Applikationen vereinen Daten aus unterschiedlichen Quellen in einer Anwendung beziehungsweise auf einer Seite. Gelingt es dann einem Angreifer, eine verbreitete Quelle zu kompromittieren, hat er gleichzeitig alle Seiten infiziert, die aus dieser Quelle Inhalte beziehen. Stellen Sie sich vor, es gelänge, Google Maps zu infizieren..."

 

Woher kommt Phishing oder Pharming, speziell aus welchen Ländern kommen die IP-Adressen, die verwendet werden?


"Die IP-Adressen der Angreifer ändern sich fortlaufend. Daher ist es schwierig bis unmöglich, die Angriffe auf bestimmte Länder einzugrenzen."

 

Sind Reputationsfilter basierend auf IP-Adressen wirksam?


"Nein. Denn die IP-Adressen der Angreifer ändern sich ja fortwährend, was eine Klassifizierung schwer bis unmöglich macht. Zudem analysiert ein klassischer Reputationsfilter Websites mit einer guten Reputation gar nicht. Wenn ein Hacker in so einer Website einen Iframe mit Schadcode injiziert, ist der Reputationsfilter schon wirkungslos. Das ist momentan tatsächlich ein großes Problem. Denn diese Art von Attacken zielt natürlich vornehmlich auf Websites mit einer guten Reputation ab. Stellen Sie es sich vor wie ein Pförtner in einem Unternehmen oder Ministerium, der regelmäßig Taschenkontrollen durchführen soll. Wenn der Pförtner nicht wirklich immer alle Taschen jeder Person überprüft, ist seine Arbeit letztlich wirkungslos. Denn wenn er bei Bekannten Ausnahmen macht und keine Kontrollen durchführt, können genau diese Personen einmal unbemerkt etwas ins Unternehmen einschleusen. Ein Reputationsfilter ist daher zwar gut für E-Mails aber nicht für Web-Inhalte, die Trojaner über 'gute Websites' einschleusen können. Hier hilft nur, URL- und Virenfilter für alle Inhalte anzuwenden egal welcher Art und Herkunft."

 

Welche Methoden zur Erkennung sind effektiv und Ressourcen schonend?


"Ideal ist eine Kombination aus Virenscanner und Content-Filter mit Mechanismen für Caching und Beschleunigung. Das ist effektiv, weil der Virenscanner alle Arten von Webverkehr ausnahmslos überprüft. Der Content-Filter sorgt dafür, dass nur gewünschte Inhalte überhaupt aus dem Internet geladen werden. Und es ist Ressourcen schonend, denn einmal als 'sauber' klassifiziert hält der Cache die Daten eine bestimmte Zeit lokal vor und kann sie dem nächsten Anwender schnell zur Verfügung stellen, ohne sie nochmals analysieren zu müssen. Beschleunigungsmechanismen helfen dabei vor allem Unternehmen mit verteilten Standorten, die viel Datenverkehr über ihr Weitverkehrsnetz hin- und herschicken müssen."

 

Welche anderen Wege neben E-Mail suchen sich die Angreifer, um ihre Nachrichten zu verbreiten?


"Derzeit vor allem infizierte Websites, Trojaner und Phishing Sites."

 

Welche Konsequenzen drohen den Betreibern (egal ob ISPs oder Mobilfunkbetreiber)?


"Keine. Denn die Betreiber stellen ja nur den Weg für die Übertragung zur Verfügung. Stellen Sie sich vor, Sie kaufen in einem Baumarkt einen Hammer. Der ist eigentlich zum Nägel einschlagen gedacht. Wenn Sie nun aber auf jemanden losgehen und ihm mit dem Hammer den Kopf einschlagen, können Sie nicht den Baumarkt für den Verkauf des Hammers zur Rechenschaft ziehen."

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Autor: Martin Walzer, Technical Manager DACH & Osteuropa

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